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Der B.O.f.H. ist an der Reihe … [27/03]

Der PJ ist gegangen, um einigen der attraktiveren jungen Damen, die bei uns gerade eingestellt wurden, die Firma zu zeigen. Und ich muß gestehen, daß er seine Aufgabe sehr gut erledigt. So gut, daß ich einen leichten Schmerz verspüre, als ich die Tür der Caféteria so umprogrammiere, daß seine ID-Karte nicht mehr akzeptiert wird und das alle Gäste sehen können. Aber der Schmerz verging schnell wieder, und darauf kommt es schließlich an.

Zu meiner Verteidigung muß ich aber sagen, daß er ein paar unschöne Kommentare über mich und meine Arbeit abgegeben hat, als er bei dem Rundgang meinte, ich könne ihn nicht hören. Dank des technischen Fortschritts unserer Zeit trifft das jedoch nur auf ganz wenige Plätze im Gebäude zu. Und es werden noch weniger, wenn man mit einem PDA ausgestattet ist, an den jedes gesprochene Wort gesendet wird.

Ich mache dem PJ keinen Vorwurf, daß er mich als negatives Beispiel mißbraucht, um sich zu profilieren – an seiner Stelle würde ich nicht anders handeln. Doch …

“Ist das nicht ein wunderbarer Tag, meine Damen”, grüßte ich freundlich, als ich zu der Gruppe der neu Eingestellten gehe. “Darf ich mich zu ihnen gesellen?”

Ich deute ihre unklare Antwort als Zustimmung und setze mich zu ihnen. Dabei sorge ich dafür, daß der PJ mich von seinem Platz auf der annderen Seite der Tür sehen kann.

Es ist schließlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand aufsteht und ihn einläßt, also mache ich das beste aus der Situation und winke ihm freundlich zu.

“Der alte ‘Eingesperrt in der Caféteria’-Witz”, lache ich. “Ein echter Klassiker!”

Die versammelte Weiblichkeit dreht sich zu ihm und lächelt zu ihm herüber, was seine Traurigkeit nur steigert. Da ist erneut dieser Schmerz.

Und schon ist er wieder verschwunden.

“Ich hoffe, mein Assistent hat sich vorbildlich um sie gekümmert und ihnen gezeigt, wie wir uns bemühen, ihre Anforderungen an uns zu erfüllen.”

“Ja, das hat er.” antwortet eine der Neuen. “Er hat uns gezeigt, wie die Verkabelung gezeigt, die ganzen Leitungen, und er hat uns im Rechner-Raum herumgeführt und die Maschinen vorgeführt.”

“Er hat sie also im Rechner-Raum herumgeführt.” wiederhole ich mit gespielter Fröhlichkeit, starte meinen PDA, rufe den Kalender des PJ auf und lege einen Termin für eine kleine Diskussion über dieses Thema fest.

“Ja, es war sehr laut. Und dann haben wir das Ratespiel gespielt.”

“Das Ratespiel?”

“Bei dem man auf Symbole klicken muß, um Preise zu gewinnen.”

“Oh, DAS Spiel”, erwidere ich und ahne, worum es geht. “Und was haben wir denn alles gewonnen.”

“Nun, die Kollegen am Ende des Tisches dort haben einen Karton Kopierpapier gewonnen …”

“Wirklich?”

“Ja. Diese beiden Kollegen da haben Stifte gewonnen, aber wir drei haben den Hauptpreis bekommen!”

“Kostenlose Getränke beim gemütlichen Beisammensein am Freitagabend?” frage ich, denn ich kenne den PJ nur zu gut.

“Oh, ist das das Überraschungs-Essen?” fragt sie etwas enttäuscht.

“Ach, das ÜBERRASCHUNGS-MAHL! Das ist wirklich DER Hauptpreis. Normalerweise machen wir da … Nun, ist es in Ordnung, wenn ich das Geheimnis lüfte?”

“Natürlich!” antwortet eine andere Anfängerin.

“In Ordnung. Nun, im Regelfall laden ein paar IT-Leute die Gewinner zu einem Umtrunk vor der Mahlzeit in eine Cocktail-Bar ein und dann zum Essen in das Dorchester oder das Ritz.”

“Wirklich?!” schnappt eine der Anfängerinnen nach Luft. “Das Dorchester! Mit Nikolas Parsons?”

“Das ist unwahrscheinlich”, antworte ich. “Wie auch immer, üblicherweise ziehen wir los, sobald der Rundgang für die Neuen beendet ist. Paßt das zu ihren Planungen?”

Eine kurze Diskussion und einige Anrufe später ist die Sache ausgemacht. Ich bemerke, daß der PJ es irgendwie geschafft hat, die Caféteria zu verlassen, was bedeutet, daß er das Steuerungssystem für die Türen umprogrammieren wird – vielleicht mit einer Axt, denn ich habe die Zugangs-Passworte für das System geändert. Also muß ich mich beeilen.

“Und was steht am Nachtmittag auf dem Plan für die Einweisung?”

“Hmmm, ein Rundgang durch das Gebäude und dann gibt es noch eine Video-Vorführung, mit der Geschichte unserer Firma.”

“Also keine wichtigen Dinge?”

“Ich glaube nicht …”

“Wissen sie was – warum machen wir den Rundgang nicht gleich jetzt, so daß wir zur Tee-Zeit in die Bar gehen können?”

Eine Stunde, einige Umwege, um nicht vom PJ (mittels PDA-Verfolgung) aufgespürt zu werden, später …

“… und schließlich sehen sie hier unsere Post-Stelle, durch die jede ein- und ausgehende Post läuft. Wie sie sehen können, werden alle Gegenstände aus Sicherheitsgründen mit Röntgenstrahlen durchleuchtet und entmagnetisiert. Also ist es notwendig, daß sie ihre Korrespondenz-Partner darauf aufmerksam machen, daß sie empfindliche Post-Sendungen entsprechend markieren, so daß sie nicht das Prüfsystem durchlaufen müssen. Gut, wer hat Lust auf einen Besuch der Kneipe auf der anderen Straßenseite?”

Zwei Stunden später …

“Wer will noch ein Glas?” frage ich, greife mir die geleerten Gläser und wende mich zur Theke.

“Wir sollten nun wirklich zurückkehren und das Video anschauen …” murmelt eine der drei Neuen undeutlich. “Und sollte nicht auch ihr Assistent bei uns sein?”

“Ja, mein Assistent wird sich zu uns gesellen, sobald er … unsere Systeme gesichert hat.” lüge ich. “Und BEDAUERLICHERWEISE hat jemand unabsichtlich das Firmen-Video in der Poststelle gelöscht – wahrscheinlich wird die Vorführung also verschoben.”

“Haben sie das absichtlich getan?” kommt die schüchterne Frage.

“Ich … Will noch jemand etwas trinken?”

Während sie sich überlegen, welches sprudelnde Getränk sie als nächstes testen wollen, entschuldige ich mich und suche die Herren-Toilette auf. Dort widme ich ein paar Gedanken der Frage, welchen Pub wir nach diesem aufsuchen sollten, um dem PJ zu entkommen, falls es ihm gelungen sein sollte, meinen Aufenthaltsort anhand des von meinem PDA benutzten WLAN-Einwahlpunktes herauszufinden … >BBZZZZZIIISHHHHHH!<

“So, dann sind wir uns also einig?” höre ich den PJ fragen, während ich meine Lage sondiere – ich liege im Urinal. “Warum nehmen wir nicht ein Taxi in die Cocktail-Bar?”

“Sollten wir nicht auf Simon warten?” fragt die Schüchterne, sie sei gepriesen.

“Ahmm, nun, unglücklicherweise wurde er ins Büro zurückgerufen, um … für die Betriebssicherheit unseres Netzwerks zu sorgen.” antwortet der PJ.

“War das nicht IHRE Aufgabe?”

“Ja, aber das ist eine sehr wichtige Aufgabe, die einigen technischen Sachverstand fordert – beim Wischen und Fegen etwa”, erwidert der PJ während sie das Lokal verlassen.

Nun, das ist kein schöner Ausgang der Geschichte …

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