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Der B.O.f.H. und der Ingenieur … [13/03]

Ein Rechnerraum sehr spät am Abend …

Spät, sehr spät in der Nacht …

Der Morgen ist beinahe schon da, um ehrlich zu sein …

Alle Lichter mit Ausnahme einiger weniger System-Status-Lämpchen sind aus …

Plötzlich ändert eines dieser Lämpchen seine Farbe von Blau zu Orange …

Sekunden später empfängt der Überwachungs-Server vom betroffenen System eine Warnmeldung …

Wieder einige Sekunden später schallt ein Freizeichen, dem eine Serie von DTMF-Tönen folgt, durch den Raum. Und noch einmal erklingt die Tonfolge …

Ungefähr eine Minute später beginnt ein Pager im spießig eingerichteten Schlafzimmer einer Wohnung in Süd-London schrill zu piepen …

Eine Gestalt erscheint teilweise unter der Fleur de Lis-Bettdecke, um nach dem bewußten Pager zu schauen …

DIE HERVORRAGEND GEPFLEGTE MASCHINERIE BEGINNT NACH STUNDENLANGEM STILLSTAND ZU LAUFEN!!!!

“Aber mein Pager hat keine Nachricht empfangen!” ruft der PJ als Antwort auf eine verärgerte Frage des Chefs als ich um 9 Uhr des gleichen Morgens ins Büro komme. “Wissen sie, daß könnte daran liegen, daß er mir auf dem Heimweg heruntergefallen und zerbrochen ist!”

Der PJ hält seinen Pager hoch, der deutliche Spuren einer mehrmaligen Behandlung mit einer Schuhsohle zeigt, der aber sonst so zerstört worden sein muß, wie es der PJ schilderte …

“Ich hatte ja angeregt, für Fälle wie diesen ein zusätzliches Kommunikationssystem zu beschaffen, das auch dann funktioniert, wenn das Netz der Telefongesellschaft zusammenbrechen sollte.” werfe ich ein.

“Ich werde diese verdammten Setalliten-Telefone, mit denen sie nur astronomisch hohe Rechnungen produzieren würden, nicht anschaffen!” knurrt der Chef und erteilt meinem Plan damit eine Absage. “Wie dem auch sei, das hätte den Server im Rechnungswesen sowieso nicht wieder gestartet!”

“Der Server LÄUFT doch!” erwidere ich nach einem Blick auf die Anzeige des Wartungsmonitors. “Es ist nur ein Netzteil ausgefallen.”

“Und wie kommt es, daß ich benachrichtigt wurde?” fragt der Chef und zeigt uns die Nachricht auf seinem Telefon.

“Sie sagten doch, daß sie bei wichtigen Problemen informiert werden wollen – und sie wissen ja, das ich nur ungern nachfrage.”

“Das ist doch kein wichtiges Problem!” schnappt er zurück.

“Es ist, wenn es zweimal hintereinander passiert!” liefere ich ihm einen Grund.

“Sehen sie, ich will nur informiert werden, wenn ein Server abstürzt!”

“Das läßt sich leicht einrichten.” antworte ich hilfsbereit.

“Und kümmern sie sich um das Netzteil!” setzt er hinzu.

“Ich bin schon am Telefon!” zwitschert der PJ und tippt die Nummer der Wartungsfirma.

Drei Stunden später …

“Hatte ich ihnen nicht gesagt, daß ich nur benachrichtigt werden will, wenn ein Server ausfällt!” kocht der Chef, als er in unsere Zentrale platzt.

“Ja?”

“Und?”

“Oh! Der Server ist abgestürzt, wissen sie?” erkläre ich und deute auf ein rotes Symbol auf der Anzeige des Wartungsmonitors.

“Sie scherzen!” donnert der Chef. “Der Server hat doch eine redundante Stromversorgung!”

“Die hat er wirklich, aber die funktioniert auch nicht, wenn das eine Netzteil defekt ist und das andere ausgebaut …”

“Ich dachte, die Server können ohne Unterbrechungen arbeiten?”

“Können sie, aber unglücklicherweise kann das unser Wartungs-Ingenieur nicht. Der PJ hat ihn gefragt, ob er einen Kaffee wolle. Und da muß der Ingenieur in seinem Gehirn ‘LINKS’ und ‘RECHTS’ verwechselt haben, so daß er das falsche Netzteil ausgebaut hat. Ich war da, bevor er mit dem Ausbau begonnen hat – aber sie wissen ja, ich stelle nur ungern Fragen …”

“RICHTIG!” ruft der Chef, als er in sein Büro davonstürmt.

Zehn Minuten später informiert er uns, daß der Ingenieur unterwegs in seine Firma ist und sein Vorgesetzter zu uns kommen wird.

“… ein wirklicher Bastard”, sage ich zum PJ und beende meine Beschreibung des betreffenden Ingenieurs. “Diese Sorte von Leuten, die ihrem Chef ungefragt hilfreiche Tips geben, wie die Kabel zu verlegen sind, um Unfälle zu verhindern, und daß ihm leider nicht entgangen ist, daß sie als ‘Root’ ihre alltägliche Arbeit verrichten – und wie unsicher das ist …”

“Wirklich?”

“Natürlich. Durch und durch ein Arschkriecher allererster Ordnung. UND er notiert all diese Tips und Beobachtungen in seinem Bericht und hebt ein Exemplar davon in seinem Büro auf. Und DANN, wenn wieder etwas passiert, blättern sie darin, um einen Grund dafür zu finden, sich vor der Erfüllung ihres Vertrages zu drücken.”

“Wirklich?”

“Oh ja. Er ist ein Kerl, der geschickt wird, um die Leute zu bestrafen. UND er achtet penibel darauf, sie über jeden seiner Arbeitsschritte zu informieren.”

“Um sich den Rücken freizuhalten?” will der PJ wissen.

“Zum Teil, aber hauptsächlich macht er es, um die Leute dafür zu bestrafen, daß man ihm keine ID-Karte gibt, mit der er Tag und Nacht in den Rechnerraum gelangen kann. Und so wird er dann damit nerven, daß er immer wieder rein- und rausrennt, damit er eine ID-Karte bekommt.”

Unsere Unterhaltung wird unterbrochen durch die Ankunft des Mannes höchstselbst, komplettiert wird der Anblick durch sein brandneues Werkzeug.

“Wo ist der Server?” fragt er.

“Im Rechnerraum”, antworte ich.

“In Ordnung, können sie mir eine ID-Karte geben?”

Und so fing es an …

Zehn Minuten später …

“Ich installiere nur noch die neue Stromversorgung”, erklärt er nachdem die Tür zum Rechnerraum geschlossen ist.

“Gut.”

“Und könnte jemand mich wieder hineinlassen, weil ich ja keine ID-Kar …”

“Natürlich”, sagt der PJ freundlich.

Zehn Minuten später …

“Das neue Netzteil ist installiert. Jetzt muß ich nur noch das alte Teil verpacken und >Click< meinen Bericht ausfüllen.”

“Hm-huh.”

“Oh, wären sie so nett und lassen mich wieder in den …”

“Selbstverständlich”, schäumt der PJ wütend.

Blicke ich zurück, muß es wohl der Wunsch des Ingenieurs gewesen sein, noch einmal in den Rechnerraum zu gehen, um sein Werkzeug zu holen, der den PJ umdrehte. Die wiederholte Rennerei in und aus dem Rechnerraum heraus, um uns mitzuteilen, daß er die Stromversorgung einschalten, die Kompatibilität prüfen würde, daß nun alles läuft, er das alte Netzteil einpacken werde, daß er einen Stift brauche, um es als ‘defekt’ zu markieren, er nun aufbrechen werde etc., hat ihn vermutlich langsam die Fassung verlieren lassen.

Der Anruf der Wartungsfirma, die nachfragte, ob wir ihren Ingenieur gesehen hätten, ließ mich etwas ahnen.

Und dann war da noch das neue Werkzeug des PJ.

Aber ich stelle nur ungern Fragen …

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