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Vater B.O.f.H. – Teil 1 … [31/03]

… Spät am Abend in einer dunklen Ecke der Missions-Zentrale …

“… und so kamen wir überein, uns an die Operatoren zu wenden.” redet ein Kerl aus der Nutzer-Betreuung auf mich ein.

“Warum sind sie nicht zum IT-Chef gegangen? Wieso kommen sie zuerst zu mir?” flüstere ich, in meinem gepolsterten Ledersessel sitzend.

“Was wollen sie? Sagen sie es uns – alles, aber bitte tun sie, worum wir sie bitten!” plappert der Kauz.

“Was soll ich denn tun?”

Verstohlen schaut sich der Kauz aus der Nutzerbetreuung um, entdeckt den PJ und entschließt sich, daß es wohl besser wäre, bliebe der Wunsch seiner Leute nur zwischen uns beiden, und teilt ihn mir flüsternd mit.

Seufz …

“Das kann ich nicht tun.”

“Aber wir tun alles, was sie verlangen!” erwidert er.

“Wir arbeiten seit Jahren in selben Haus, aber das ist ihre erste Bitte um Hilfe. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß sie mich jemals an ihren Tisch zu einem Bier eingeladen hätten. Aber seien wir ehrlich, sie wollten niemals meine Freundschaft, und sie haben Angst davor, mir einen Gefallen zu schulden.”

“Wir … wir wollten keinen Ärger.”

“Ich verstehe. Sie dachten, sie hätten einen großartigen Arbeitsplatz. Sie taten nichts, wurden gut bezahlt und bezahlten ihre Gewerkschaftsbeiträge. Sie wollten keinen Freund wie mich … Aber jetzt kommen sie zu mir und sagen: ‘Simon, lassen sie uns Gerechtigkeit widerfahren.’ Doch sie fragen nicht mit Respekt, sie haben keine Freundschaft zu bieten, sie nennen mich nicht einmal ‘Sir’. Statt dessen kommen sie her, am Tag an dem ich meine Überstunden-Abrechnung verschönere, und verlangen, daß ich jemanden aus Versehen in einen Kabelschacht stoße …”

“Wir bitten um Gerechtigkeit!”

“Es geht nicht um Gerechtigkeit – sie hätten noch immer Arbeitsplatzrechner!”

“Aber das wären Thin Clients! Wir könnten nicht einmal Musik anhören!”

“Wir bezahlen sie!” fügt er nach einer Verlegenheitspause hinzu.

“Warum behandeln sie mich nur so respektlos? Wären sie in Freundschaft zu mir gekommen, würden ihr Abteilungsleiter und der Rationalisierungsberater schon an diesem Nachmittag über Knochenbrüche klagen – spätestens. Und wenn IT-’Profis’ wie sie Probleme mit ihren Arbeitsplatzrechnern hätten, hätten die sie mit Sicherheit auch und würden es sich mehrmals überlegen, ob sie ihnen Thin Clients vorsetzen sollten.”

“Seien sie mein Freund … uhm … ähm … Sir.”

Seufz …

“Gut. Irgendwann – und dieser Tag möge niemals kommen, doch er kommt vielleicht doch – werde ich sie um einen Gefallen bitten. Bis zu diesem Tag aber betrachten sie mein Geschenk als Zeichen unserer Freundschaft …”

… Der nächste Tag …

“Hat jemand den Rationalisierungs-Experten gesehen?” fragt der IT-Chef.

“Den Trottel, der ihnen gesagt hat, daß Thin Clients eine hervorragende Idee sind, während der Rest der Abteilung zusammen mit dem IT-Chef glaubt, daß sie Müll sind?”

“Hmm, ja.”

“Nein, wieso?”

“Ich war mit ihm vor einer halben Stunde zu einer Beratung verabredet. Wir haben sein Büro angerufen. Dort meinte man, er sei seit dem Morgen unterwegs im Haus. Seine Aktentasche haben wir beim Pförtner gefunden. Allerdings war darin nur ein in eine Zeitung eingewickelter toter Fisch.”

“Das ist eine Betriebsmitteilung”, murmelt der PJ. “Das bedeutet, daß er bei Fisch & Co. schlummert.”

“Sie meinen, er ist … tot?” schnappt der Chef nach Luft, der weiß, daß Berater zu einer vom Aussterben bedrohten Art gehören – vor allem dann, wenn sie vom Management angeheuert werden, um dessen absurde Ideen zu bestätigen.

“Nein, das bedeutet, daß er zu Fisch & Co. gegangen ist. Wir hatten Bier zum Mittag, dann sollte er das Essen holen.”

“Sie haben ein Bier mit ihm getrunken?”

“Natürlich. Freundschaften müssen gepflegt werden, und solche mit unabhängigen Beratern ganz besonders.”

“Und wo ist er jetzt?”

“Keine Ahnung. Möglicherweise überdenkt er seine Empfehlung, um uns von Thin Clients abzuraten, weil sie langfristig keine gute Investition darstellen?”

“Er hat seine Empfehlung geändert? Aber er meinte, es sei eine gute Idee! ICH HABE GERADE 200 STÜCK BESTELLT! Warum zum Teufel hat er seine Meinung geändert?!”

“Wir machten ihm ein Angebot, dem er nicht widerstehen konnte.”

“Sie haben ihn bedroht?!”

“Nein, nein. Ich habe einen Händler gefunden, der die Preise für die Thin Clients unterbieten konnte. Ein sehr billiger Händler.”

“Aber er kann seine Empfehlung nicht mehr ändern – es ist zu spät!”

“Oh, er hat ihnen also schon ein Exemplar seines Reports gegeben?”

“Mündlich, ja.”

“Also nicht schriftlich. Also muß der durchschnittliche Aufsichtsrat annehmen, sie hätten die Bestellung ohne Konsultation eines unabhängigen Beraters ausgelöst?”

“Ich … ähm …”

“Und da sie es waren, die diese Technik zuerst empfohlen hat, könnte es wirken, als sei bei der Bestellung etwas übersehen worden. Sie sind nicht mit dem betreffenden Lieferanten bekannt?”

“Natürlich nicht!”

“Und sie haben niemals Geschenke bekommen?”

“Nein!”

“Überhaupt keins?”

“Nun, vielleicht einen oder zwei Stifte, ein paar Einladungen zu Boots-Ausflügen.”

“Oooooh … Ein Interessenskonflikt!” ruft der PJ.

“Ich glaube nicht, daß ein paar verdammte Stifte und Angeltouren einen Interessenskonflikt auslösen können!”

“Also haben sie diese Kontakte dem IT-Chef gemeldet?”

“Nein, aber …”

“oooooh … Ein ungemeldeter Interessenskonflikt!” zwitschert der PJ.

“Es ist nur ein verdammter STIFT und ein paar Verabredungen!”

“Ich bin sicher, daß es für die Firma eine große Befriedigung darstellt, daß sie sich für so wenig verkauft haben …”

“Ich …” murmelt der Chef, bevor er davonstürmt, um seine Spuren zu verwischen und eine Bestellung rückgängig zu machen.

>Krach!<

“Und so endet die Operation?” fragt der PJ.

“Uuuuuhhhmmmmm … Ein letzter Fischzug ist noch drin, denke ich.”

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