Der B.O.F.H. rüstet auf … [2004/01]
Es ist wieder Zeit unsere Technik aufzurüsten – wie immer, wenn Geld ungenutzt herumliegt. Also nehme ich mir die Liste mit den häufigsten Beschwerden vor und entscheide mich für den Datenbank-Server der Personalabteilung, der Anfragen nur sehr langsam abarbeitet. Ich liebe solche Erweiterungen!
In einem Wort: der Server ist Schrott! Ein ZX-81 mit einem Bandlaufwerk wäre wahrscheinlich schneller als dieser Server. Und es ist auch leicht, die Ursache dafür auszumachen – das ganze Geld wurde in das Gehäuse gesteckt und nicht in die Innereien, um “Platz für Erweiterungen” zu lassen, die niemals stattfanden. Nur ein Prozessor, 128 MB Arbeitsspeicher und eine einzelne Festplatte sind mehr als deprimierend. Es muß etwas unternommen werden.
“Aber er benötigt KEINE Erweiterung!” jammert der Chef und versucht, das Luxus-Handy und die Hochglanzbroschüre zu verstecken, in der er geblättert hat. “Wie auch immer, wir haben kein Geld dafür!”
“Nun, wie es der Zufall will, haben die Erbsenzähler die Kostenstellen falsch zugeordnet, so daß sie uns in diesem Quartal zwanzigtausend Pfund zuwenig zugebilligt – unter Berücksichtiung der ungerechtfertigten Kürzungen im letzten Quartal.”
“Wirklich?” fragt der Chef. “Wie ist das passiert?”
“Unser Budget wurde zusammengestrichen, weil ihr Vorgänger sich nicht mit so ‘unwichtigen’ Dingen abgeben wollte wie Handys, Headsets etc. und dafür also auch kein Geld ausgegeben hat.” antworte ich.
“Verstehe. Und wie teuer wird die Aufrüstung nach ihrer Meinung werden?”
“Der Server der Personalabteilung – hmmm, keine Ahnung, nicht viel. Vielleicht fünf Tausender für die Prozessoren, ein paar für Arbeitsspeicher und ein paar noch für Festplatten und eine RAID-Karte. Vielleicht zehn insgesamt.”
“Also blieben noch zehntausend für …”
“Für Projekt, die sie als strategisch wichtig beurteilen”, antworte ich und spiele sein Spiel.
“Nun … Ich glaube, dann sollten wir uns damit befassen”, stimmt er großzügig zu. “Natürlich nur unter der Voraussetzung, daß ihre Budget-Angaben korrekt sind und sie das schriftlich belegen können.”
“Es wird mir ein Vergnügen sein”, sage ich.
Eine Hoffnung, die sich nicht bewahrheiten sollte.
“Wie lautet die Seriennummer des Rechners?” fragt der Trottel von Verkäufer.
“373847201B.”
“B ist keine Zahl”, erwidert er.
“So steht es aber auf der Rückseite gleich neben dem ‘S’, dem Bindestrich und dem ‘N’”, erwidere ich.
“Dann muß es eine Acht sein!” kontert er herablassend.
“Nur wenn ihre Achten eckig sind.”
“Also sind alle Ecken nicht rund?” fragt er und denkt an die digitale Darstellung.
“Nein, nur auf der linken Seite. EINE Seite ist gerade, sie wissen schon, so wie beim Buchstaben ‘B’.”
“Aber das Konfigurationsprogramm nimmt es nicht an – es erwartet Zahlen.” warnt er.
“Warum geben sie es nicht einfach trotzdem ein und ersparen mir dadurch einen Besuch bei ihnen, bei dem dann ich etwas eingeben würde?” frage ich gereizt.
“Ich … uhm … >Klick-Klick-Klick< Na sowas! Es hat funktioniert. Es handelt sich also um einen Rechner mit vier Prozessoren und einem Gigabyte Arbeitsspeicher.”
“Er ist vorbereitet für vier Prozessoren, verfügt aber nur über einen Prozessor und 128 MB RAM.”
“Das steht aber nicht hier.”
“Doch das ist, was vor mir steht. Der Rechner steht aufgeschraubt hier.”
“Wenn sie genauer hinsehen, werden sie die vier Prozessoren finden. Das Konfigurationsprogramm irrt sich nie! Es geht um die großen quaderförmigen Dinger mit den Wärmeableitern und den Lüftern drauf.”
“Ja, einer dieser Quader ist vorhanden. Doch in den anderen drei Steckplätzen sind sehr eigentümlich aussehende Karten, auf denen irgendwelche aktive Komponenten stecken.”
“Mit Wärmeableitern?” will er wissen, da er nicht zu früh aufgeben möchte. “Ich sagte ihnen doch, daß sich unser Programm niemals irrt!”
“Nein. Es sind nur kleine Steckkarten.”
“Sind die Karten festgeschraubt?” fragt er.
“Nein, es sind einfache PCI-Karten, nicht mehr”, seufze ich und befördere die Akkus für den Elektroschocker in das Ladegerät.
“Lassen sie uns das überspringen. Was schlagen sie vor?”
“Nennen sie mir einen Preis für drei weitere Prozessoren, die gleichen wie im Original natürlich, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher in 512er Chips, eine Hochleistungs-Ultra SCSI 3-RAID-Karte und vier 36 Gigabyte Ultra SCSI 3-Festplatten.”
>Klickklack< “In Ordnung. Aber sie können keine weiteren Prozessoren bekommen, weil die Maschine schon voll ausgestattet ist.”
“Es steckt nur ein Prozessor drin.”
“Ja, aber unser Programm sagt, es sind alle vier vorhanden.”
“Dann bringen sie ihm bei, daß das nicht stimmt.”
“Das geht nicht. Aber wir könnten eine Teil-Deinstallation vornehmen, doch dann würden ihnen automatisch drei Arbeitsstunden unseres Wartungsingenieurs in Rechnung gestellt werden.”
“Sagen sie ihrem Programm, daß ich das selbst erledige.”
“Dann würden sie die Garantiebestimmungen verletzen.”
“Es geht nicht um eine Garantieleistung. Doch abgesehen davon habe ich das Gehäuse schon geöffnet und bin nicht zertifiziert. Über diese Brücke sind wir also schon marschiert.”
“Ah. Aber dann >Klickklack< will das Programm ALLE vier Prozessoren entfernen, außer wir nehmen sie in Zahlung.”
“Dann geben sie das so ein.”
“Aber sie haben die Prozessoren doch gar nicht!” beschwert er sich.
“Doch, die haben wir. Das stht doch so in ihrem Programm!”
“Sie sagten mir aber, daß das nicht stimmt.”
“Stimmt. Aber als sie die Möglichkeit der Inzahlungnahme erwähnten, habe ich sie plötzlich entdeckt.”
“Das kann nicht sein, sie haben keine Hitzeableiter!”
“Wenn ihr Ingenieur hier ist, werden sie da sein …”
“Das wird er niemals akzeptieren – er wird erkennen, daß es sich um Prozessor-Überbrückungskarten handelt!”
“Ist das der gleiche Ingenieur, der uns sonst besucht und der sich so gut mit Aufzugsschächten auskennte?”
“Ich …”
“Also nehmen sie vier PROZESSOREN in Zahlung für vier neue und schnellere. Und sie nehmen 1 Gigabyte RAM in Zahlung für zwei Gigabyte.”
“Sie sagten, sie hätten nur 128 Megabyte.”
“Nein, nein, es war ein Gigabyte, da bin ich jetzt sicher!” rufe ich.
“Das wird er niemals schlucken.”
“Ich bin überzeugt davon, daß er es tun wird. Wenn er will, kann er noch so viele SIMMs aus der großen Tüte unter meinem Schreibtisch mitnehmen wie er will.”
“Sie meinen doch DIMMs”, antwortet er.
“Das wird ihr Ingenieur entscheiden.”
>Seufz<
“Ist das dann alles?”
“Nein, ich brauche noch eine RAID-Karte und vier Festplatten.”
>Klickklack< “Wir können ihnen nur drei liefern – mehr passen nicht in den Rechner.”
“Dabei hat er doch zehn Einschübe an der Vorderseite. Und wie viele Festplatten haben wir gegenwärtig?”
“Eine.”
“Ich glaube, da irren sie sich. Mich können sie zwar belügen, doch ich glaube nicht, daß sie ihr Konfigurationsprogramm übertölpeln möchten …”
“Ich … sieben Festplatten”, schnieft er.
“Nehmen sie sie in Zahlung für die vier neuen. Und die RAID-Karte. Was wird mich das kosten?”
“Nun, mit der … Erlaubnis zur Inzahlungnahme … eintausenddreihundertundvierzig Pfund.”
“Wirklich. Das ist ziemlich viel. Kann ich noch etwas aus der Kiste in Zahlung geben?”
“Das war alles, was sie haben!”
“Und was ist mit den acht PCI-Steckplätzen, läßt sich damit nichts machen?”
“Nein.”
“Ich fürchte, sie lügen. Geben sie mir die billigste 10 Megabyte PCI-NIC-Karte.”
“In Ordnung.” >KlickKlick<
“Wie sieht der Preis jetzt aus?”
>Klicklack< “1380.”
“Nehmen sie eine andere.”
>Tipp Tipp< “1420.”
“Und noch eine …”
>KlickKlack< “1460.”
“Und eine andere …”
>Klick< >Klickklack< “Das geht nicht, das Konfigurationsprogramm erlaubt es nicht.”
“Wieso?”
“Weil der Bus nun voll ist”, seufzt er und weiß, daß er jetzt in der Falle steckt.
“Was steckt in dem Rechner?” frage ich.
“Fünf Hochgeschwindigkeits Grafikkarten mit 256 Megabyte RAM.”
“AGP-Karten?” will ich wissen.
“AGP 8s, ja.”
“Und die Maschine hat wie viele AGP-Steckplätze?”
“Einen.”
“Und ihr Programm meint nun also, ich hätte vier weitere Grafikkarten irgendwo in dem Rechner, die die restlichen PCI-Steckplätze belegen?”
“Ja.” plappert er. “Das liegt daran, daß sie einen PCI-Steckplatz verlieren für jede AGP-Karte.”
“Aha. Und weil ich fünf Karten habe, verliere ich also fünf Steckplätze.”
“Genau”, seufzt er.
“Gut, dann gebe ich die fünf Karten in Zahlung und benutze die on-Board-Grafik. Und vergessen sie die NIC-Karten wieder. Wie teuer wird es jetzt?”
“Minus 53 Pfund.”
“Schon besser. Und schicken sie den Scheck bitte persönlich an mich.”
“Damit kommen sie niemals durch”, spöttelt er. “Man wird es herausfinden.”
“Das wird man nicht merken. Es steht alles in ihrem Programm, und ihr Konfigurationsprogramm irrt sich doch niemals! Und würde man in dem Falle nicht erst sie verdächtigen, die Angaben gefälscht zu haben, wenn wir auch noch speziell SIE anfordern, um die Erweiterungen vorzunehmen und sie dazu noch mit einer Kiste voller Computerschrott zurückkehrten?”
“Also kann ich den Barscheck jetzt ausstellen?”
“Das wäre nett. Und sorgen sie dafür, daß wir die neuen Teile schnellstmöglich bekommen. Ich will die Sache geklärt haben, sonst könnte mir einfallen, auch noch die anderen Server hier aufzurüsten. Wir haben da einiger sehr schöne Exemplare in unserem Server-Raum!”
>Klick<
Nun muß ich nur noch eine zweite Rechnung ausfertigen und die Firma den Scheck ausstellen lassen für Computer-Ausstattung, Service und Hardware (oder die entsprechende Abkürzung) …
Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich es liebe, die Technik aufzurüsten?

Letzte Kommentare