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Der B.O.f.H. und die Raumprobleme des Chefs … [32/03]

An manchen Tagen läuft nichts wie es soll …

Der Chef ist auf der Jagd nach mehr Büroraum für sich. Und wie üblich kommt er zu uns gerannt, weil wir des Verbrechens schuldig sind, angemessenen Platz für uns reserviert zu haben.

“Es ist ja nicht so, daß sie die Safes für die Sicherungsbänder wirklich NUTZEN würden”, beginnt er defensiv. “Sie benutzen doch ohnehin nur die Bänder von den Stapeln auf dem Boden des Rechner-Raums.”

“Die Bänder, die wir im Moment aus dem Bandarchiv brauchen, richtig”, erkläre ich. “Aber die ANDEREN Bänder, also die älteren Langzeit-Sicherungen, sind alle in den Band-Safes untergebracht.”

“Was soll denn da alles gespeichert sein?” ruft er und deutet auf eine Reihe mit Bändern auf einem Regal im Band-Raum.

“Arbeitsbänder!” >BZZZZERT!< Der PJ übernimmt die Antwort und löscht das erste Band mit den Sicherheitskopien der Finanz-Abteilung aus der vergangenen Nacht.

“Wir lagern diese Arbeitsbänder auf diesem Regal, weil wir dann leichter an sie herankommen, wenn wir sie für ein Projekt benötigen”, beschreibe ich sorgfältig.

“Und wie kommen sie dann in den Band-Safe?”

“Wir lagern sie dort ein, wenn wir sie aus der Bandbibliothek aussortieren”, lügt der PJ. “Und wenn wir ein paar Bänder im Safe unterbringen, nehmen wir von den dort lagernden die ältesten wieder heraus, um sie für die Serie von Bändern zu nutzen, die wir nach der letzten Serie beschreiben.”

Der Gesichtsausdruck des Chefs verrät, daß er Opfer seiner Ahnungslosigkeit über die Komplexität der Arbeit mit mehreren Bänderserien ist.

“Ein paar Bänder lagern wir im Safe, andere außerhalb des Safes”, beschreibe ich freundlich. “Sonst bräuchten wir noch mehr Safes.”

“Aber könnten wir die Safes nicht hier unterbringen und damit den Raum mit den Safes verfügbar machen?”

“Nun, erstens würden sie die Hälfte des Raumes hier einnehmen, und zweitens müßte dann der Boden verstärkt werden, da es sich um vier Safes handelt, die – mit Bändern – jeweils ungefähr eine dreiviertel Tonne wiegen. Und dann nehmen sie so viel Platz ein, daß wir sie immer dann umräumen müßten, wenn wir größere neue Technik anschaffen wie die Nebenstellenanlage und sie in unser System integrieren. Oh, und sie sind viel zu groß, um durch die Tür zu passen.”

“Und wie zum Teufel sind sie dann hineingekommen?”

“Sie wurden anscheinend in dem Raum aufgestellt gleich nachdem der Boden verstärkt wurden.”

“Wir könnten die Türöffnungen vergrößern um sie hinauszubefördern. UND wir könnten sie doch im Kellergeschoß unterbringen – wo kein Boden verstärkt werden muß und jede MENGE Platz ist. Und schon hätten wir einen leeren Raum!” keucht er.

“Das ist keine gute Idee, glaube ich. Dann wäre der Zugang nur durch diesen Raum möglich und das würde ein Sicherheitsprob …”

“Unfug! Wir können doch einen Zugang an der anderen Seite einrichten – oder diesen Gang hier wieder umbauen, nachdem die Safes umgelagert wurden. Das ist absolut sicher! Und wenn die Safes verschwunden sind, können wir die Nutzerbetreuung umziehen lassen.”

!!!

“Ahm, das scheint mir WIRKLICH kei …”

“Nein, die Entscheidung ist getroffen! Wir werden es so machen. Ich schätze, daß sie in der Lage sind, den Transport der Safes zu organisieren?”

Arrrgggg!

Nein, ich bin nicht eingebildet – nun, eigentlich bin ich es, aber das ist hier nicht das Thema -, doch ich will NICHT alle paar Augenblicke durch die Nutzerbetreuung mit ihren unwichtigen Fragen genervt werden. Das muß um jeden Preis verhindert werden.

Als ich nach dem Mittagessen ins Büro komme, hat der Chef seine Meinung offensichtlich nicht geändert, denn ein riesiges Loch ist jetzt da zu sehen, wo die Tür zum Raum mit den Band-Safes war, das wir dem Eifer eines Handwerkers zu verdanken haben, den die Firma für kleinere bauliche Veränderungen eingestellt hat.

Das erkenne ich am gezackten Rand des Beinahe-Vierecks, das in die Wand geschlagen wurde – mitten durch den Lichtschalter auf der anderen Seite der Wand. Professionelle Arbeit!

Ein paar Minuten später kommen ein paar schwergewichtige Trottel von der Umzugsfirma und beginnen damit einen Safe auf ihren Schwergewichtstransporter zu wuchten …

… dessen Räder sich in den Boden unseres Büros bohren, als sie es durchqueren wollen.

“Keine Grund zur Sorge!” meint einer der Trottel. “Wir legen bis zum Lastenaufzug Stahlplatten drunter.”

Schwierige Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Ich gebe dem PJ ein paar Anweisungen und entferne mich dann, um das Aufstellen des Safes zu beobachten, obwohl ich nur zu genau weiß, das seine Tür am Ende auf die Wand zeigen wird.

“Verdammt schweres Ding”, erkennt einer der Trottel und versucht, während des Warten auf den Aufzug ein harmloses Gespräch anzubahnen. “Was ist denn da drin? Blei?”

“Keine Ahnung.”

“Wie meinen sie das?”

“Nun, als ich hier anfing, fand ich Schlüssel für alle Safes, nur nicht für diesen. Deshalb haben wir ihn auch nie benutzt. Wir haben ihn nur behalten, weil er so schwer zu transportieren ist.”

“Also ist das heute sowas wie ein Freudentag für sie?” grinst er.

“Ja, etwas in der Art!”

>DING!<

Ich schüttle die eine Hand des Mannes als sich die Türen des Aufzugs öffnen und er den Safe hindurchgeschoben hat, und ich greife nach seiner anderen – einzig weil ich ein herzensguter Mensch bin -, um ihm zu helfen das Gleichgewicht zu halten, als der Safe durch den Aufzugschacht nach unten stürzt.

>KRACH!<

“VERDAMMT!” ruft der Kerl. “Wo ist denn der Lift?”

“Ah, hier kommt er ja.” sage ich und ziehe ihn von der Türöffnung zurück, als der leere Lift an den Seilen herunterkommt. “Achten sie auf ihren Kopf! Dieser Lastenaufzug kann eine Todesfalle sein. Zum Glück waren wir nicht drin.”

Ich höre entfernt ein leiseres Krachen von unten, als der ferngesteuerte Lift das zweite Untergeschoß verfehlt, weil ein neues Hinternis ihn aufhält. Der PJ, Gott schütze ihn, gibt nicht so schnell auf und sorgt dafür, daß das Krachen noch etwas weitergeht. Wie es sich für einen guten Angestellten gehört, spanne ich unterdessen das Band mit der Aufschrift “Gefahr!” auf.

Etwas näher kracht es auch, als nur Minuten später der Chef mit einem mehr als roten Gesicht heranpoltert.

“SPAREN SIE SICH IHRE ENTSCHULDIGUNGEN!” schäumt er. “ICH WEISS, DASS SIE DEN AUFZUG SABOTIERT HABEN! UND ICH WERDE JEMANDEN VOM HERSTELLER KOMMEN LASSEN, UM ES ZU BEWEISEN! UND WENN SIE GLAUBEN, DASS SIE DAMIT DEN UMZUG DER NUTZERBETREUUNG VERHINDERN KÖNNEN, HABEN SIE SICH GE… WHUAHH!” >KRACH!< >BZZZRRRTTT<

“VERDAMMT!” sagt der Chef der Möbelschlepper, als der Chef über eines der Löcher im Boden stolpert und gegen die lose aus der Wand hängenden Kabel des Lichtschalters stürzt. “Hier ist es ja hochgefährlich!”

“Stimmt, wenn man es richtig organisiert. Doch das hier war ein bedauerlicher Unfall”, bemühe ich mich zu versichern. “Aber trotzdem war die Durchführung exzellent. Beherrscht jemand von ihnen Mund-zu-Mund-Beatmung?”

“Ja, ich!” antwortet einer der hilfsbereiteren Kerle.

“Können sie warten, bis ich die Stromzufuhr unterbrochen habe?” frage ich und öffne den Sicherungskasten.

“Natürlich.”

An manchen Tagen funktioniert doch alles wie geschmiert.

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