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Der B.O.f.H. und der Manglefreuzer-Schalter [25/04]

“… und damit kommen wir zu der Entscheidung über das Wartungs-Niveau für ihre Technik, so daß wir ihre Erwartungen kennen, wenn wir ihren neuen Rechner anschaffen.”
“Selbstverständlich wünschen wir Wartungsbereitschaft rund um die Uhr”, verkündet einer der versammelten Ebsenzähler.

Es verwundert mich IMMER WIEDER, wie ein im Sterben befindlicher Rechner die Gehirne der Erbsenzähler vernebelt – ganz besonders dann, wenn es ihr Rechner ist, der ungefähr halbstündlich abstürzt.

“Normalerweise würde ich ihnen zustimmen, aber wenn ich sehe, daß niemand von ihnen vor 9 Uhr zur Arbeit erscheint oder länger als bis 4 Uhr bleibt, frage ich mich, ob dies wirklich der kostengünstigste Weg zur Finanzierung ihres Rechners wäre.”

“Wir lassen den Rechner automatisch Aufgaben erledigen, die ihn über Stunden beanspruchen”, meint ein anderer Erbsenzähler trocken.

“Ja, die wöchentliche Vorbereitung der Auszahlung für den Rechner der Personal-Abteilung, eine Wochenabrechnung, einen Monatsbericht mit einer Hochrechnung auf das ganze Jahr – soweit ich das überblicke. Die dafür jährlich benötigte Zeit dürfte bei 40 Stunden liegen …”

“Sie schlagen also was vor?”

“Ich schlage vor, daß sie darüber nachdenken, das Wartungs-Niveau ihren wirklichen Bedürfnissen anzupassen, wenn sie einen neuen Rechner bekommen. Warum sollten sie für eine 24 Stunden-Betreuung bezahlen, wenn auch, sagen wir, 9 Stunden an 5 Tagen ausreichen?”

“Könnten nicht einfach sie die Technik betreuen und wir so die Kosten noch weiter senken?”

“Das könnten wir, aber dann besteht immer die Chance, daß die Manglefreuzer-Schaltung versagt – und das wäre ein Problem.”

“Was ist ein Manglefre … r.”

“Manglefreuzer – wie in Mangle-Froy-TSir. Dabei handelt es sich um einen Schalter oder ein ähnliches Bauteil, das die Hersteller in ihre Geräte einbauen, um unautorisierte Eingriffe abzuwehren – und dafür zu sorgen, daß sich die Systeme unnormal verhalten.”

“Unnormal?”

“Ja, sie kennen doch auch die Fehlermeldungen über zu wenig Speicher, Fehler beim Schreiben auf die Festplatte, Abstürze und so weiter. Damit sollen die Nutzer davon abgehalten werden, sich an den Rechnern zu vergreifen. Und natürlich wird so auch für Umsätze bei den Wartungsfirmen gesorgt.”

“Meinen sie das ernst?!”

“Natürlich. Bei einigen von unseren größeren Ausfällen konnte genau dieses Problem beobachtet werden.”

“Sie meinen, das alles wurde durch dieses Manglefreuzer-Ding verursacht?”

“Bei einigen Sachen – sicher. Natürlich wird kein vernünftiger Lieferant ein Gerät einbauen, das eindeutig als Ursache der Probleme ausgemacht werden könnte, also sorgen sie dafür, daß die Ausfälle sporadisch stattfinden und schwer zu untersuchen sind …”

“Und die Menschen wissen das?”

“Menschen mit Technikverstand – ja.”

“Und sie unternehmen nichts dagegen?”

“Wir haben tatsächlich kaum eine andere Wahl in dieser Sache. Denn alle Hersteller und Lieferanten gehen so vor – und das betrifft nicht nur Computer.”

“Ich wette, daß mein PC mir deshalb Probleme bereitet!” fügt ein Erbsenzähler hinzu. Das Nicken anderer Möchtegern-PC-Schrauber bestätigt ihn.

“Ja”, kommentiere ich. “Sehr wahrscheinlich liegt es genau daran und nicht daran, daß sie sich nicht gegen statische Aufladung schützen, nicht für genügend Erdung sorgen oder nur lausige Einbau-Methoden anwenden. Diese verdammten Lieferanten!”

Ich vermeide, anzuschneiden, daß der PJ pflegt, fehlerhafte RAM-Bausteine an die Mitarbeiter der Firma zu verkaufen, denn das könnte die Diskussion in die falsche Richtung lenken …

“Was sie also sagen wollen, ist, daß sie sich nicht ausreichend um die Technik kümmern können und daher empfehlen, daß wir einen Rechner anschaffen, dessen Wartungsleistungen auf unsere Bedürfnisse an einen Server zugeschnitten sind?” fragt einer der Erbsenzähler – und gibt damit ziemlich genau den Inhalt der E-Mail wieder, mit der ich zu diesem Treffen eingeladen hatte.

“Genau”, seufze ich.

“Und dafür müssen wir eine Extra-Prämie zahlen?”

“Für jede zusätzliche Leistung sind Prämienzahlungen fällig, aber wenn sie berücksichtigen, was es kosten würde – denken sie nur an die Ausfälle, die sie hatten – auf sie zu verzichten, dann ist das ein kleiner Preis, der zu zahlen ist.”

“Über welche Summe reden wir?”

“Nun, es geht um den dreifachen Rechner-Preis für eine Wartungsvertrag über fünf Jahre.”

“DAS DREIFACHE?!” keucht ein Erbsenzähler.

“ABER wenn sie sich für eine Neun-Stunden-Bereitschaft an fünf Wochentagen mit einer Antwortzeit von vier Stunden entscheiden, geht es nur um den doppelten Gerätepreis.”

“DOPPELT! Haben wir das so in der Vergangenheit gehandhabt?!!!”

“Nein, da haben wir überhaupt nichts bezahlt, wehsalb sie immer so lange auf die Wartungstechniker warten mußten, um die Fehler ihrer Rechner zu beheben.”

“Ja, ich denke, das ist uns jetzt klar – und die Maschinen laufen auch sicher länger als ein Jahr?!”

“Bei Einsteiger-PCs kommen sie auf vier Jahre – schätze ich. Aber brandaktuelle leistungsfähige Technik wie ihre ist sehr speziell, und die Hersteller sagen immer, eine Lampe, die doppelt so hell leuchtet, leuchtet nur die halbe Zeit …”

“Ich … na gut. Und was wird uns das kosten?”

“Insgesamt ungefähr 4000 Pfund.”

“Oh! Das klingt ja gar nicht so schlecht wie erwa …”

“Zuzüglich Wartung”, antworte ich, um die günstige Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

“8000 Pfund!!!”

“Im schlimmsten Fall. Aber wenn wir mit dem Händler ins Gespräch kommen, können wir bestimmt noch ein paar Hunderter sparen – aber ich kann nichts versprechen …”

“Wieviel wird es werden?”

“Vielleicht – wenn wir ihn wirklich überreden können – 6000 Pfund – aber wie schon gesagt, ich kann nichts versprechen.”

“Wirklich?” freut sich der Chef-Erbsenzähler beinahe.

“Möglicherweise.”

“Nun, ich denke, daß wir damit leben können und dem entsprechenden Wartungsvertrag. Und wie lange wird es dauern, bis wir wieder ein stabiles System haben?”

“Die Lieferzeit für diese Ausrüstung liegt bei zwei Wochen – wenn wir Glück haben und sie die Teile auf Lager.”

“Und wie lange dauert es, auf den neuen Rechner umzuziehen?”

“Wenn wir eine Nachtschicht einlegen, könnten wir es in einer Nacht schaffen – sofern es dringend ist.”

Später im Büro.

“Und, wie ist es gelaufen?” fragt der PJ.

“Zwei neue topaktuelle PCs für uns und jede Menge Überstunden zum Abfeiern!!!”

“Ausgezeichnet.”

“Denken sie aber daran, daß sie in vierzehn Tagen nicht mehr den Erbsenzähler-Server kurzschließen, wenn sie unser Büro betreten. Machen sie sich eine entsprechende Notiz.”

“Gemacht!”

“Und beginnen sie damit, das Manglefreuzer-Problem zu erwähnen, wenn sie mit den Leuten aus der Personal-Abteilung über ihren Server reden. Ich wünsche mir ein neues Laptop.”

“So gut wie erledigt …”

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