Der B.O.f.H. ist pornographiesüchtig … [24/04]
Manchmal bin ich so gelangweilt … Es geht um diese Sorte Langeweile, bei der man sich nicht einmal dazu durchringen kann, einen Browser zu starten und heisseheissemaedchen.com aufzurufen. Aber wenn man es selbst nicht tut, wer soll sich denn dann sonst um die Mädchen kümmern?!
Der Chef kommt herein, während ich mit dem Anschauen befaßt bin und hält mir seinen Vortrag über inakzeptables Verhalten am Arbeitsplatz etc., etc.
Ich bitte ihn freundlich, still zu sein, denn sonst kann ich den Mädchen nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient haben.
Und plötzlich ist er wieder da, diesmal mit einem Kerl aus der Personal-Abteilung. Und sie bitten mich zu einer Unterredung!!!
…
Zum Henker, ich bin gelangweilt.
“Gibt es einen Grund dafür, daß sie sich pornographische Webseiten anschauen?” will der Personaler wissen.
“Abgesehen davon, daß ich mir die Mädchen anschaute?” erwidere ich.
“Ja.”
“Ich glaube nicht. Das war’s!”
“Was?”
“Nichts, es gibt keinen Grund.”
“Und sie wissen, daß es in der Firmen Regeln für den akzeptablen Umgang mit den Computern gibt?”
“Wirklich?”
“JA”, bellt der Chef. “Sie sind seit mindestens 18 Monaten gültig!”
“Ach so. Dann handelt es sich also nicht um eine der Vereinbarungen, die ich schon vor Jahren unterschrieben habe, als ich hier anfing.”
“Ihr Vertrag erlaubt es der Firma, die Regeln für akzeptables Verhalten anzupassen.”
“Nicht mein Vertrag”, sage ich.
“Ich glaube, sie werden herausfinden, daß es doch so ist”, antwortet der Personaler.
“Nein, mein Vertrag wurde als elektronisches Dokument geschickt, aus dem ich einfach die Klauseln entfernt habe, die mir nicht gefielen, ein paar meiner eigenen hinzugefügt. Dann habe ich zwei Exemplare ausgedruckt und unterschrieben. Ihr Kollege hat sie dann gegengezeichnet – möglicherweise ohne weitere Prüfung. Oder er mochte möglicherweise Klausel F 3, die mir gestattet, Manager als ‘Türknaufgesicht’ zu bezeichnen …”
“Ich …” sagt der Personaler und blickt dann durch die Tür nach draußen, um irgend etwas zu überprüfen.
… zwei Stunden später …
“Es stimmt”, sagt der Personaler. “Es gibt eine Klausel, die ihm erlaubt, sie Türknaufgesicht zu nennen.”
“Was auch von einem Personal-Chef unterschrieben wurde. Mit Tinte.” füge ich an.
“Ja.”
“Einschließlich der rund acht Extra-Klauseln, die ich hinzugefügt habe … ähm … Türknaufgesicht?”
Es entsteht eine längere Pause, während der der Personaler sich eine Vergeltungsaktion zu überlegen scheint. Doch dann denkt er noch einmal darüber nach und verschwindet, um sich bei den Firmenanwälten auszuweinen. Ein paar Stunden später kommt er mit einer Allerweltsklausel zurück, die ungefähr so eindeutig ist wie ein G-String aus Papier Wasser speichern kann.
Ich bin noch immer gelangweilt …
“Was uns zu der Tatsache bringt, daß sie noch immer gegen die Firmen-Politik verstoßen.” fährt der Personaler fort.
“In Ordnung, das ich bin überführt.” sage ich.
“Also geben sie zu, daß sie wissentlich etwas taten, für das sie entlassen werden könnten?”
“Mein Vertrag könnte beendet werden, ja.”
“Wissentlich?”
“Natürlich.”
“Ich glaube, sie sind nicht mit dem nötigen Ernst bei der Sache. Wissen sie, daß sie niemals wieder eine Anstellung in unserer Branche bekommen werden, wenn wir sie öffentlich feuern, weil sie während der Arbeitszeit Pornographie konsumierten?”
“Ich denke, sie vergessen, daß wir über die Computer-Industrie sprechen …”
“Ich glaube nicht, daß man selbst da ihr Verhalten tolerieren würde – wenn wir sie entlassen müßten.”
Es sieht so aus, als wollte der Personaler mich fertigmachen, also plärrt er wie ein Mädchen – doch er wird kein Glück haben. Nun, nicht jetzt jedenfalls, da ich eine Idee habe.
“Ich denke nicht, daß sie mich feuern KÖNNEN, weil ich mir pornographische
Bilder anschaute …”
“Wieso nicht?”
“Nun, ich glaube, daß ich süchtig nach Pornographie bin.”
“Wie bitte?”
“Süchtig. Nach Pornographie.”
“Sie scherzen!”
“Aber nicht doch. Ich bin sicher, daß das Betrachten von Pornographie die Ausschüttung von Testosteron, Endorphinen oder ähnlichen Stoffen verursacht, die ihrerseits Gefühle der Freude in meinem Körper auslösen – so ähnlich würde es jedenfalls mein Arzt erklären, wenn ich ihn frage. Und ich bin süchtig nach diesen Gefühlen der Freude, ungefähr so, wie ein Drogenabhängiger süchtig ist nach den Gefühlen, die seine Droge bei ihm auslöst.”
“Also wollen sie sagen, daß sie keine Kontrolle über ihre Handlungen haben?”
“Nicht die geringste.”
“Und sie … Glauben sie, daß das irgendwie ein Problem für die Firma darstellt?”
“Natürlich nicht.”
“Gut.”
“Nein, ich glaube, daß es sich sogar um einen Fehler der Firma handelt. Das ist etwas völlig anderes.”
“Ich denke, sie werden einsehen, daß die Firma sich des Problems annehmen muß, wenn es sich um einen Fehler handeln sollte.”
“Das tut sie doch. Ich habe vor rund sechs Monaten eine Meldung über einen Arbeitsunfall ausgefüllt.”
Der Personaler blickt zum Chef, der mit den Achseln zuckt, denn er ist erst seit ein paar Wochen bei uns.
“Die Firma hat mich damit BEAUFTRAGT, mir Pornographie anzuschauen – welche Seiten die Mitarbeiter im Internet besuchen, welche Dateien sie tauschen und so weiter.”
“Wie?”
“Ich wollte das nicht – aber das war mein Auftrag! Was ich alles sehen mußte! Die Alpträume, die ich hatte!”
“Das ist doch lächerlich! Niemand kann beweisen, daß das schädlich ist!”
“Ach so – die Masche der Asbest-Hersteller.” sage ich. “Trotzdem, auch sie müssen ihre Arbeit machen …”
“Also werden sie uns in aller Stille verlassen?”
“Natürlich! Allerdings werde ich von der Firma fordern, die Kosten meiner Behandlung zu übernehmen.”
“Welche Behandlung?”
“Das pornographische Äquivalent von Methadon. Offensichtlich gehört dazu eine tägliche Dosis Bikinibilder.”
“Das meinen sie nicht ernst!”
“Stimmt, da könnten sie richtig liegen. Ich schätze, ich muß nur offen und ehrlich alles enthüllen im Rahmen meiner Sammelklage gegen die Firma – bevor auch andere sich melden.”
“Eine Sammelklage ist, werden sie herausfinden, wenn eine Gruppe von …”
“Schauen sie sich diese Fassungen an!” keucht der PJ hinter seinem Monitor, wo er bis jetzt still zuhörte.
“Ah. Gut, wie wäre es, wenn wir die ganze Sache einfach vergessen?” sagt der Personaler, dem klar wird, daß er nicht mehr gewinnen kann …
“Das wäre schön.” antworte ich. “Und könnten sie die Tür schließen, wenn sie gehen … Türknaufgesicht?”
Ich denke, daß ich bis zur nächsten Woche warte, um Hilfe bei meinem Dateitausch-Piraterie-Problem zu bekommen …

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