Fass Dich kurz!
Norbert Geis erklärt demokratische Gepflogenheiten
Norbert Geis sitzt für die CSU im Bundestag und gilt in seiner Fraktion tatsächlich als Sicherheitsexperte. Als solcher war er dem Deutschlandfunk natürlich willkommener Gast einer Diskussion die unter dem Titel “Mit Sicherheit gegen den Terror” geführt werden sollte (und wurde), und zwar auch unter Beteiligung der Hörer des Senders.
Mit letzteren freilich scheint Norbert Geis, der seine Qualifikation im Diskussionsverlauf dadurch bewies, daß er offensichtlich nicht die geringste Ahnung von den Aufgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik hat, das eine und das andere Problem zu haben, vielleicht aber auch nur mit der Tatsache, daß es Hörerinnen gibt, die das Eva-Prinzip der Eva Herman nicht verinnerlichten, sondern denken.Der Anruferin jedenfalls, die, bevor sie ihre Gedanken mitteilte, darum bat, nicht durch Zwischenrufe im Redefluß unterbrochen zu werden, meinte der Unionsvertreter beibringen zu müssen, wie Demokratie funktioniert, wie die Kommunikation zwischen ihm, dem MdB, und ihr, der Frau ohne Mandat, zu verlaufen habe. Der Dialog, der sich über diese Formalität unter Mitwirkung der Moderatorin entspann, verdient es, aufgezeichnet zu werden:
Anruferin: “Ich hatte Sie gebeten, mir nicht ins Wort zu fallen.”Norbert Geis: “Ja gut, aber ich kann Sie doch nicht ewig lange reden lassen.”Anruferin: “Sie können …”Norbert Geis: “Nein, das geht nicht! Entweder ich sitze hier und kann meinen Beitrag leisten, oder wir lassen es, dann höre ich eben auf, dann brauche ich hier nicht zu sitzen.”
Moderatorin: “Hallo, Herr Geis, hier spricht Frau Durak.”
Norbert Geis: “Ja, gut.”
Moderatorin: “Ich bin die Moderatorin der Sendung und würde gerne, daß wir in ein richtiges Gespräch miteinander kommen; und ich wollte Frau Lage ohnehin bitten, sich ein Tick kürzer zu fassen, damit wir darauf antworten können und auf ihre Meinung eingehen können. Frau Lage, ja?”
Anruferin: “Ja, ich denke, das ist so der Anfang, jemanden nicht ausreden zu lassen. Also, die Frage, die Herr …”
Norbert Geis: “Naja, wenn man ewig redet wie sie.”
Moderatorin: “Herr Geis …”
Anruferin: “Herr Geis, ich bitte sie einfach, demokratische Gepflogenheiten …”
Norbert Geis: “Sie auch, nämlich nicht so lange zu reden.”
Demokratie ist also, sollen wir wohl lernen aus diesem Stück, wenn auch noch der komplizierteste und vielschichtigste Sachverhalt auf zwei, drei kurze Sätze reduziert wurde, damit dem anderen, dem die anzuhörende Meinung allerdings ohnehin gleichgültig scheint, nicht langweilig wird und er auch nicht in eine Situation gerät, selbst über eben Gesagtes nachdenken, fremde Argumente überhaupt wahrnehmen zu müssen.Andererseits ist bisher nicht bekannt, daß Norbert Geis seinem Parteivorsitzenden Edmund Stoiber, der selbstredend ein großer Demokrat ist, je ins Wort fiel, wenn der auch nach 60 Minuten am Rednerpult noch nicht das Ende seines Redemanuskripts erreicht hatte. Freilich würde Edmund Stoiber, so lange er noch Ämter ausübt, auch nicht beim Deutschlandfunk anrufen, um als ‘normaler’ Hörer seine Ansichten mitzuteilen …MfG
tw_24
“Es geht nicht darum, jemandem etwas zu oktroyieren, aber wir müssen darauf bestehen, daß alle mitmachen.” (Reinhard Bütikofer, Kämpfer für individuelle Freiheit)

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