Syrien mag Facebook nicht
Eine ganz schreckliche Vorstellung: Menschen, die aus verschiedenen Ländern kommen, treffen aufeinander und haben miteinander Spaß oder streiten sich auch mal. Und das vielleicht sogar regelmäßig. Im Internet war das schon immer leichter als im RealLife, Social Networks wie Facebook machen es noch einfacher.
Im Nahen Osten, wo paranoide Despoten, die zu sonst nichts fähig sind, aber ganz hervorragend das Instrumentarium antisemitischer Verschwörungstheorien zu nutzen wissen, werden solche virtuellen Treffpunkte daher eher als Teufelszeug gesehen denn als Errungenschaft – es darf einfach nicht sein, daß die eigenen Untertanen echte Juden kennenlernen.
Nach Berichten der libanesischen Zeitung As-Safir sperrte Mitte November Syrien den Zugang zu Facebook, ein Reporter von Associated Press bestätigte zudem die Berichte von Einwohnern der syrischen Hauptstadt Damascus, die über die Unerreichbarkeit der von ihnen genutzten Plattform klagten. Der AP-Reporter erblickte eine weiße Seite.
Die syrische Bath-Diktatur hat offensichtlich Angst vor “zionistischer” Infiltration, scheint gar, was sonst, Spionage zu fürchten. Dabei sollte das Regime Bashar Assads doch annehmen dürfen, daß brave Syrer, 2006 verfügten 1.5 Millionen Syrer über einen Zugang zum Internet (rund 8 Prozent der Bevölkerung), “zionistische Spione” schnell ausmachen können.
Statt dessen wird einmal mehr die virtuelle Bewegungsfreiheit der eigenen Untertanen eingeschränkt, die nun jedenfalls via Facebook nicht mehr miteinander kommunizieren können, selbst wenn diese noch so regimetreu sein sollte. Die Sperrung des Facebook-Zugangs reiht sich freilich ein in eine ganze Reihe von Aktionen gegen kritische oder gar oppositionelle Websites.
Update I: Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldet, daß der syrische Präsident Bashar Assad den für die Blockade von Facebook verantwortlichen Minister für Telekommunikation, Amr Nazir Salem, gefeuert hat. Er wird ersetzt durch Imad Abdul-Ghani Sabouni. Ob die Facebook-Sperrung damit Geschichte ist, wurde noch nicht bekannt.
Update II: Die tagesschau zählt im Gegensatz zum CIA-World Factbook eine halbe Million Internetnutzer nicht, bestätigt aber immerhin unseren Bericht:
“In Syrien sind mittlerweile sogar YouTube, blogspot und Facebook verboten, genauso wie die Homepages arabischer Zeitungen, die kritisch über Syrien berichtet hatten, und Webseiten kurdischer und islamischer Parteien. Betreiber von Internetcafes sind gehalten, ihre Kunden auszuspionieren. Artikel oder Kommentare dürfen seit dem Sommer nur noch mit vollständigem Namen und der E-Mail-Adresse des Verfassers online veröffentlicht werden.”

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