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Bootcamps: Bekehrt Stiefelputzen Kriminelle?

“Erziehungslager” ist an sich schon ein übel klingender Begriff. Jedoch: Erziehung setzt immerhin voraus, daß in der Tat noch Hoffnung besteht für die, die erzogen werden sollen, denn sonst könnte man ja auch auf die Alternative Wegsperren-bei-drei-Mahlzeiten-am-Tag setzen. Besonders Unionspolitiker, die sich freilich seit Jahresanfang im Kollektiv mit ihren sozialdemokratischen Kollegen auch verfolgt fühlen durch die elektronische Kommunikation derer, die zu vertreten sie vorgeben, haben Bootcamps für sich entdeckt. Sie wissen aber herzlich wenig von dem, über das sie in helle Freude geraten.

Gegen Bootcamps für Jugendliche spricht sicher deren Ausrichtung an militärischer Ausbildung. Ob Jugendliche oder gar Kinder armeehaftem Drill ausgesetzt werden sollten, halte ich für zumindest diskussionswürdig. In den Staaten kamen, wie Wikipedia meint, in 20 Jahren “[a]nnähernd 65 Jugendliche” in Bootcamps zu Tode, meistenfalls durch Suizid, aber in dem einen oder anderen Fall auch durch wohl etwas übermäßig motivierte “Erzieher”.

Über das Personal und dessen Qualifikation muß mithin also womöglich auch verhandelt werden, wenngleich mir die “Verlustrate” doch recht moderat scheint. Der gewöhnliche Straßenverkehr fordert mehr Opfer. In einer 2001 veröffentlichten Studie kommt das amerikanische LiebesministeriumJustizministerium zudem zu dem Schluß, daß Insassen von Bootcamps häufiger Angst vor dem Personal haben als ‘herkömmlich’ bestrafte Bösewichte, was aber nicht unbedingt gegen Bootcamps spricht.

Für diese Art des Umgangs mit Straftätern sprechen andererseits deren eigene Aussagen (die über 4.000 Befragten machten durchschnittlich mit 13 Jahren erste Erfahrungen mit Rechts- und Ordnungshütern). Sie fühlen sich häufiger und besser auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet als ‘normal’ Bestrafte, sie loben gar die Betreuung und davon die therapeutische ganz besonders. Auch vermittelte soziale Fähigkeiten werden positiv hervorgehoben.

Es wird aber, das macht Vergleiche wiederum schwierig, nicht jeder in ein Bootcamp aufgenommen, für diese Art der “Erziehung” muß man sich also auch erstmal, nun ja, ‘qualifizieren’. Bootcamps sind dabei sogar ‘billiger’ als der traditionelle Strafvollzug. Dort etwa kommen auf ein ‘Lehrpersonal’ 10.1 Stiefelträger, da 6.6. Und geht es um Prüfungen (General Educational Development), bestehen 78.3 Prozent der teilnehmenden Bootcamp-Insassen sie, während es im anderen Fall nur 75.2 Prozent waren.

Allerdings nahm innerhalb eines Jahres nur jeder vierte ‘Bootcamper’ (25.3%) an einem solchen Test teil, im traditionellen Strafvollzug hingegen beinahe jeder zweite (42.9%), allerdings dauert letzterer im Regelfall auch länger als ein normal 90- bis 120tägiger Aufenthalt im Bootcamp, weshalb die so Gestraften natürlich mehr Zeit haben, sich darauf vorzubereiten. Insgesamt jedenfalls scheinen Bootcamps nicht unbedingt schlimmer zu sein als ‘normaler’ Strafvollzug, vielleicht sogar ein wenig besser.

Unterdessen stimmt allerdings auch, daß die Rückfallquote von Bootcamp-Insassen günstigstenfalls nur geringfügig niedriger ist als jene sonstiger Gefangener, wie 2003 das US-Justizministerium anmerken mußte. In dieser Hinsicht ist daher höchstens positiv zu konstatieren, daß Bootcamps weniger teuer sind als herkömmlicher Strafvollzug. Den Befürwortern sei ebenso wie den Gegnern von Bootcamps schlußendlich empfohlen also, sie weder als Allheilmittel zu über- noch als sonderlich schlimm zu unterschätzen.

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  1. 6. Januar 2008, 14:17 | #1