Endstation Abstellgleis: Kein Denkmal für Edmund Stoiber
In rund 45 Minuten, verspricht die Fahrplanauskunft der Bahn AG, gelangt der Reisende vom Hauptbahnhof der bayerischen Hauptstadt mit Zwischenhalten zur Haltestelle Terminal 2 des Münchner Flughafens. In rund 10 Minuten, allerdings ohne weitere Zustiegsmöglichkeiten, sollte ab 2012 die Magnetschwebebahn Transrapid die gleiche Strecke, keine 40 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 250 km/h zurücklegen. Daraus wird nun nichts.
Mit langen Gesichtern verkündeten nach einer Krisensitzung am Morgen der Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Günther Beckstein (CSU), Edmund Stoibers Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, was wissen hätte können, wer Realitätssinn nicht für ein Fremdwort hält: Der Transrapid sei gescheitert. Kurzfristig hatte zuvor Bahnchef Hartmut Mehdorn mitgeteilt, die erwarteten Baukosten wären “explodiert” und so das Treffen ausgelöst.
Hatten vor sechs Monaten noch Edmund Stoiber und Günther Beckstein stolz einen “Durchbruch” bei den Verhandlungen über die Kosten des Baus der Strecke verkündet; der Bund wollte sich mit bis zu 925 Millionen an dem Prestigebau, für den das Land Bayern wiederum maximal eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung stellen wollte, beteiligen. Zusammen mit den Beiteiligungen der Mitbetreiber Siemens und ThyssenKrupp waren insgesamt 1.85 Milliarden Euro vorgesehen.
Doch innerhalb der vergangenen sechs Monate suchte offenbar eine gewaltige Inflation Deutschland heim, die Baukosten sollten zuletzt auf bis zu 3.4 Milliarden Euro steigen. Damit sei der Transrapid nun, da diese Kosten niemand aufbringen wolle, am Ende, wofür Peter Löscher, der Vertreter von Siemens, indirekt die mit den Bauarbeiten beauftragten Unternehmen. Wolfgang Tiefensee meinte, die früheren Berechnungen hätten “offensichtlich auf tönernen Füßen” gestanden.
Freilich waren an den Verhandlungen vor einem halben Jahr auch der Bund und Bayern beteiligt, die doch über qualifiziertes Personal verfügen sollten, das die Plausibilität vorgelegter finanzieller Planungen einschätzen kann – oder eben offensichtlich nicht. Mit dem 1.85 Milliarden Euro, heißt es jetzt, wäre gerade die Hälfte der Strecke zu bauen gewesen. Wer hat sich da – möglicherweise bewußt – tatsächlich verrechnet, zumal die Meinung der Betroffenen ohnehin niemanden interessierten?
Günther Beckstein jedenfalls und Hartmut Mehdorn bedauerten das Aus. “Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren”, erklärte letzterer, dem offenbar gar nicht in den Sinn kommt, daß zu einem auch international vorzeig- und verkaufbaren Projekt eine einigermaßen zuverlässige Kalkulation gehört. Ob allerdings überhaupt im Ausland Interesse besteht, ist ohnehin ungewiß – seit 2004 verkehrt in Shanghai der bisher einzige reguläre Transrapid.
Edmund Stoiber ließ übrigens lapidar mitteilen, daß auch er sich wundere über die “Kostenexplosion”, diese sei “doch sehr ungewöhnlich”.

Tja, so wenig ich den Stoibär mag, so bedauerlich finde ich es, dass der Transrapid nicht gebaut wird. Sicher, um jeden Preis darf man sowas nicht bauen.
Das halt ich aber für eine billige Effekthascherrei. So weit wird man auch in München und Berlin denken. Die Frage die sich stellen sollte, ist, – immerhin wurden laut Presse schon 1,2 Milliarden verbraten – wo die zusätzlichen 1,2 Milliarden herkommen. Ich zweifle da nicht am Verstand der Politiker, sondern dem der ausführenden Unternehmer, die keine standfeste Kalkulation hinbekommen.