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Retter des Tages: Dieter Gorny fordert Internet-Sperre für “Raubkopierer”

In Berlin beginnt die Popkomm mit knapp 850 Ausstellern aus 52 Ländern. Auf der Messe, in deren Rahmen 400 Künstler aus 32 Ländern in rund drei Dutzend Clubs auftreten werden, wird sich die Türkei als Partnerland präsentieren. Freilich geht es wohl weniger um Kultur denn um Geschäfte auf dieser Messe. “Die Popkomm”, heißt es auf der offiziellen Homepage, “ist die internationale Businessplattform der Musik- und Entertainmentbranche.”

Und um letztere scheint es steht es schon seit Jahren nicht gut, klagen sie jedenfalls in schöner Regelmäßigkeit, wobei andererseits genau diese Klagen zu belegen scheinen, daß genau das Gegenteil zutrifft – denn sonst müßten ja wohl schon längst allerlei Radio-Stationen reines Talk-Radio veranstalten und Klingeltonwerber wie Viva oder MTV in Ermangelung neuer Clips zum Füllen der Pausen dauerhaft ein Testbild oder die Intelligenz ungemein fordernde Quizsendungen veranstalten.

Und, natürlich, die Popkomm dürfte, stimmten denn die Beschwerden der Vertreter des Unterhaltungsbusiness über “Raubkopierer”, eigentlich auch nicht mehr stattfinden; ja, im Grunde sollte es längst keine neue Musik geben und auch keine alte, denn die wollte eben niemand mehr hören. Jedoch – sie findet statt, die Popkomm 2008, jene “internationale Businessplattform” einer Branche, deren ganze Kreativität weniger darin besteht, selbst für Inhalte zu sorgen, sondern vielmehr darin, den Zugang zu ihnen zu erschweren.

Es verwundert deshalb nicht, daß der bei einem solchen Anlaß offenbar unvermeidliche Dieter Gorny über einen Geistesblitz die Öffentlichkeit unterrrichten muß, welche ihn traf. Er “will die Musikbranche retten” mit einem, Überraschung!, “neuen Bestrafungssystem”, das “Raubkopierer abschrecken” soll und offenbar dafür sorgen, daß es bald keinen Nachwuchs gibt für diese üblen Gesellen. Seine Idee:

“Wer illegal Musik aus dem Internet herunterlädt, soll Punkte erhalten – ganz so wie im Straßenverkehr. Ab einer gewissen Punktzahl sollen Provider wie T-Online dann die Internetverbindung kappen.”

Dumm nur, daß Provider das technisch bestimmt könnten, wobei allerdings der eine genannte durch ganz besonders lockeren Umgang mit Daten, also im Zweifelsfall wohl auch Musik, bekannt wurde, aber (noch nicht) mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet sind. Dieter Gorny will sie zu Hilfssheriffs machen. Er kratzt mit seinem Vorschlag letztlich am staatlichen Gewaltmonopol. Zudem träfe eine Internet-Sperre natürlich nicht jene “Raubkopierer”, die das dämonische Internet gar nicht nutzen, sondern etwa DVD-Brenner.

Viel besser wäre es doch, eben das Internet für alle durch Bandbreitenbegrenzung oder völlige Abschaltung so unattraktiv zu machen, daß gar niemand mehr überhaupt auf dumme Ideen kommt, “Raubkopierer” nutzen es schließlich ebenso wie Terroristen oder Kinderschänder. Nur so könnte es vielleicht gelingen, das einstige Vertriebsmonopol der “Musik- und Entertainmentbranche” wiederherzustellen – mit dem schönen Nebeneffekt, daß auch Künstler nicht mehr auf die Idee kommen, ohne Gornys ihre Werke selbst zu verbreiten.

Auch sie gefährden schließlich die Existenz der “Branche”, denn jene sind nicht mehr auf diese angewiesen. Die Tatsache, daß sie, die “Branche”, gelegentlich sich selbst Talente im Internet sucht, spricht für ihre Überflüssigkeit dabei ebenso wie dafür, daß ihr wohl auch in Zukunft der Untergang gerade nicht droht, “Raubkopierer” her, Castingshows hin.

The Raveonettes – Remixed – Free EPgrab it while you can ;-).

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