In den Reichstag zu Berlin delegierte Abgeordnete haben es schwer. Immer mal wieder wird ihnen erzählt, wann sie denn ein Gewissen haben dürfen und wann die Entscheidung der Parteiführung gilt, daneben haben sie noch allerlei Ausschuß- und möglicherweise noch nebentätige Arbeit zu erledigen und dann ist da noch das Wesen Wähler, das, kaum zu glauben, auch noch das eine oder andere Anliegen hat.
Doch gerade an dieser Stelle scheint die Kommunikation zwischen Souverän und Repräsentanten nicht selten gestört. Der öffentlich-rechtliche Kultkanal Phoenix hat das Problem erkannt und den “MdB 2.0″ erfunden. Oder ist es vielleicht der “MdB 2.0 Beta”?
“Viele – gerade jüngere – Menschen finden nicht mehr den Weg zur Urne, boykottieren wichtige Wahlen durch Nichtteilnahme und sorgen so dafür, dass der Rückhalt für unsere Parlamentarier geringer wird. Ein Grund mag das vermeintliche oder tatsächliche Gefühl Einzelner sein, mit dem persönlichen Anliegen nicht mehr zu ’seinem’ Abgeordneten.”
Ja – was? Vorzudringen und eine fähige Redaktion zu empfehlen, die vollständige Sätze schreiben kann? Nein. Es soll “MdB 2.0″ der “Versuch” sein, “die tatsächlichen Kommunikationsmöglichkeiten eines Bundestagsabgeordneten um die Realität neuer, interaktiver Kommunikationsformen vor allem jüngerer Menschen zu erweitern”, denn ältere Menschen sind ja bekanntlich zumeist das Problem, wenn es mit dem Computer Probleme gibt.
“Wir wollen junge Bürger dort abholen, wo sie sich heutzutage vor allem aufhalten: im Internet. Fünf junge Abgeordnete, alle unter 35, aus jeder im Bundestag vorhandenen Fraktion eine/r, haben sich bereit erklärt, zunächst bis zu den nächsten Bundestagswahlen eine Art Tagebuch zu führen [..].”
Der Abholservice scheint indes trotz Redaktion nicht recht zu funktionieren. “Fünf unterschiedliche Blickwinkel von fünf unterschiedlichen Charakteren, die aus fünf ganz unterschiedlichen Lebensverhältnissen heraus bereits in jungen Jahren eine erstaunliche Karriere in ihren Parteien gemacht haben” – und nicht da, wo “junge Bürger” sich aufhalten, halten sie sich nicht im Internet auf – sorgten für exakt – keine Kommentare.
Und das nimmt nicht wunder. “MdB 2.0″ ist nämlich so konfiguriert, daß ein Kommentar ungefähr gar nicht möglich ist – weder für “junge Bürger” noch für andere. Was also gemeint sein mag mit diesen, dem Original unverändert entnommenen schönen UnsäSätzen, das bleibt rätselhaft:
“Natürlich kann man ihnen Fragen stellen du Ihre Beiträge kommentieren und so mit ihnen – wie im Web 2.0 üblich – in direkten Kontakt treten. [..] Dabei wertet PHOENIX nicht, sondern begreift den User – und auch die Autoren – als mündige Bürger in einem gegenseitigen Dialog.”
Ist’s gar ein Scherz?
tw_24 Dummheiten, Frechheiten, Gesellschaft
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