Home > Gesellschaft > Landesbank Berlin “verliert” zahlreiche Kreditkartendaten (aktualisiert)

Landesbank Berlin “verliert” zahlreiche Kreditkartendaten (aktualisiert)

Plastikgeld ist eine durchaus feine Erfindung. Die Kreditkarte überwindet ohne größere Schwierigkeiten Ländergrenzen und Ozeane, sie wird von nahezu jedem Händler, gleich ob im Internet oder dem RealLife, akzeptiert und, ein großer Vorteil gegenüber anderem Plastikgeld, es ist vergleichsweise wenig aufwendig, unberechtigte Buchungen rückgängig zu machen, was natürlich eine bewußte Prüfung der monatlichen Abrechnung erfordert.

Es fallen beim Umgang mit der Kreditkarte natürlich allerlei Daten an, und zumindest gegenüber der sie ausgebenden Institution gerät der User sehr wohl zum einigermaßen gläsernen Kunden, weshalb jener eben dieser ein gewißes Vertrauen entgegenbringen muß – oder eben auf das einfache Plastikgeld verzichten. Das Vertrauen vieler Kreditkarten-Besitzer in die Kompetenz der Landesbank Berlin (LBB) wird an diesem Wochenende nachhaltig erschüttert.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, daß ihr mehrere zehntausend Datensätze von direkten wie indirekten Kunden der LBB, die Karten ausgibt für diverse Banken, aber auch die Amazon Visa- oder ADAC Visa-Karten, zugespielt wurden. Enthalten in den Datensätzen seien neben aktuellen Zahlungen Namen, Kontonummern und sogar PINs – kurzum alles, was nötig ist, um auf fremde Kosten zum Weihnachtsgroßeinkauf loszuziehen.

Die LBB, heißt es bei der Frankfurter Rundschau arbeite für ihre Abrechnungen mit einem externen Dienstleister zusammen und verschicke zu diesem Zweck die notwendigen Daten auf sogenannten Mikrofiches, einer “Speichertechnologie des vergangenen Jahrhunderts”, wie Alexander Dix, Datenschutzbeauftragter Berlins, sie nennt. Auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, ist fasziniert ob der Vielfalt und der Aktualität der Daten.

Mikrofiches entsprechen, so sein Sprecher, “nicht den aktuellen Sicherheitsvorschriften”. Ein LBB-Sprecher bestätigte der Frankfurter Rundschau die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister AtosWorldline; vom “Datenverlust”, der tatsächlich ja eine Datenvermehrung ist, wollte er gegenüber der Tageszeitung aber noch nichts wissen. “Von dem Datenverlust ist bislang nichts bekannt. Wir nehmen das aber sehr ernst.” So ernst, daß Kunden bislang nicht informiert wurden.

Wo die Verantwortung für diesen neuerlichen Fall von Daten-”Diebstahl” auch liegen mag, er zeigt, daß gerade Datensammlungen auf ganz besondere Weise so begehrt sind wie sie gleichzeitig geschützt werden müssen und daß die sichersten Daten freilich noch immer jene sind, welche gar nicht erst erhoben, verarbeitet oder gesammelt werden. Für das Bezahlen mit Plastikgeld sind sie sicher unerläßlich, für viele andere Zwecke nicht.

Nachtrag: Die Welt zitiert mittlerweile LBB-Sprecher Marcus Recher mit den wohl beruhigend gemeinten Worten: “Im Moment gibt es keinen Grund für die Sperrung der Kreditkarten.” Ein wirklich guter Ratschlag.

Nachtrag 2:

“Die Landesbank Berlin legt Wert auf die Feststellung, dass – anders als berichtet – in dieser Datensendung keine Geheimnummern enthalten sind, die den Zugriff auf Kundenkonten ermöglichen. Es besteht keine Gefahr für das Vermögen der Kunden. Sollte wider Erwarten dennoch ein Schaden entstehen, wird die Landesbank Berlin ihre Kunden selbstverständlich davon freihalten.”

tw_24 Gesellschaft

  1. 14. Dezember 2008, 17:06 | #1

    Ich plädiere von jeher auf den Verzicht des bargeldlosen Geldverkehres. Denn wenn was lacht dann ist es im letzten Fall doch immer das Bergeld. g

  2. 15. Dezember 2008, 10:47 | #2

    Bargeld ist wunderbar anonym. Allerdings ist es im Vergleich zu bargeldlosen Zahlungsmitteln gegen Mißbrauch ungefähr gar nicht geschützt.

    Gestohlenes Bargeld ist mit einiger Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich verloren, während bei einer gestohlenen Kreditkarte das Risiko letztlich bei der ausgebenden Bank liegt.

    Denn die muß nämlich im Zweifelsfall beweisen, daß eben ich eine von mir reklamierte Transaktion tätigte. Kann sie dies nicht, habe ich möglicherweise zwar ein wenig Papierkram auszufüllen, aber keinen unmittelbaren finanziellen Verlust.

    Kritisch, und das gilt besonders im hier behandelten Fall, ist aber natürlich, daß die Daten von Kreditkartentransaktionen es durchaus erlauben, einen Blick in die Privatsphäre des Nutzers zu werfen. Bargeld dagegen ist hinsichtlich seiner Verwendung – Wann? Wo? Wofür? – weitaus weniger auskunftsfreudig.

  3. 15. Dezember 2008, 15:23 | #3

    Dieser vermeindlicher Vorteil, nämlich das ein Verlusst eines tatsächlichen Wertes eher zu vermeiden ist, macht all die Nachteile meiner Meinung nach nicht wett.

    Eine Kreditkarte verführt zum leichtfertigeren Umgang mit Werten (die man mutmaßlich nicht hat). Jeder Geldfluss ist leicht nachzuweisen. Mit (gestohlnen) Karten munter Unfug getrieben werden.

  1. Bisher keine Trackbacks