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Philipp Mißfelder: Konsumkritiker des Tages (Aktualisiert)

“1976″, weiß die Statistik über den Bier-Konsum, “trank jeder Deutsche im Durchschnitt noch mehr als 150 Liter im Jahr, 2008 nur etwas über 110 Liter.” Rückläufig ist – bei insgesamt etwa gleichbleibenden Ausgaben – auch der Genuß ‘richtiger’ Sprituosen. Lag der Konsum pro Kopf 1990 bei 6.2 Litern, waren es 2007 5.6 Liter, was nicht zuletzt die im gleichen Zeitraum beinahe kontinuierlich gesunkenen Einnahmen aus alkoholbezogenen Steuern spiegeln.

Damit bleibt Deutschland zwar dennoch Europameister beim Alkoholkonsum, doch unverkennbar wird – im Durchschnitt – weniger getrunken und ganz folgerichtig auch immer weniger Alkohol verkauft. Konsumierte der Durchschnittsbürger zudem 1995 im Jahr 1.650 Zigaretten, so waren es 2007 nur noch 1.111. Konsumrückgang ist also an nahezu allen Fronten die Regel, selbst der Alkoholmißbrauch unter Jugendlichen nimmt ab.

Das sollte auch einem Politiker, der einigermaßen seriös wirken will, nicht gänzlich unbekannt sein. Philipp Mißfelder, Bundestagsabgeordneter der CDU, gehört wohl nicht dazu. Er halluziniert nämlich für Spirituosenhersteller und die Tabakindustrie einen Aufschwung, für den er – ausgerechnet – Erwerbslose, die ja bekanntlich gar nicht mehr wissen, wofür sie ihr schier unbegrenzt vorhandenes Geld noch ausgeben könnten, verantwortlich macht:

“Mit einer verbalen Attacke auf Arbeitslose sorgt der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder für Empörung. Auf einer Parteiveranstaltung in Haltern am See hat der 29-Jährige laut einem Bericht der Dortmunder ‘Ruhr-Nachrichten’ gesagt: ‘Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.’”

Philipp Mißfelder ist zweifellos einer der anschubkompetentesten Nachwuchspolitiker Deutschlands.

Nachtrag: Frankfurter Rundschau 02.04.2009, S. 7:

Die Ermittlungen gegen den Chef der Jungen Union wegen Äußerungen über den Zigaretten- und Alkoholkonsum von Hartz-IV-Empfängern sind eingestellt worden. Es liege weder Volksverhetzung noch Verleumdung vor, so die Staatsanwaltschaft.

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