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B.O.f.H. 2000/39: Licht aus für den Spezialisten …

14. März 2009 B.O.f.H.

Ein Bastard muß tun, was ein Bastard tun muß …

Ich bin dabei, einen Routinefehler ("Mein Rechner funktioniert nicht.") im Erdgeschoß zu untersuchen - was ich wegen der seltsamen Typen, die dort in Massen auftreten, hasse wie die Pest - als meine Untersuchungen mich dazu bringen, erstmalig den Serverraum im Erdgeschoß zu betreten.

Mit einigen Befürchtungen - ich habe schließlich dieses Räume in den anderen Etagen des Gebäudes schon gesehen - öffne ich die Tür, werfe schnell einen Blick hinein und schmeiße die Tür wieder zu.

Nun, ich VERSUCHE, die Tür wieder zu schließen, doch bei all den Kabeln, die mir entgegenquellen, kann ich das nur dadurch sichern, daß ich einen Keil unter die Tür schiebe, bevor noch mehr Kabel ihren Weg in die Freiheit suchen. Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Chef.

"Was", frage ich ihn, als er schnaufend im Erdgeschoß ankommt. "Was *ZUM TEUFEL* ist DAS?"

"Das ist ein SERVERRAUM!" bricht er seinen bisherigen Rekord im Entziffern der Türbeschriftung ohne sich auf die Zunge zu beißen.

Ich öffne die Tür, um ihm den Schrecken des Raumes dahinter zu enthüllen. Ein Rattennest voller Kabel, Thinwire und Thickwire, Kabeln, die aussehen, als seien sie serielle Kabel ohne Abschirmung, Twisted Pair und - großer Gott! - etwas, das aussieht, wie ein mißglücktes Token Ring-Experiment …

"Offensichtlich muß hier etwas aufgeräumt werden …" stimmt der Chef widerwillig zu.

"Etwas?"

"Nun, sie dürften es schaffen, ohne einen Ausfall zu verursachen, aber vielleicht könnten sie dabei gleich, nun, die Nutzer neu verkabeln, immer ein paar gleichzeitig."

Ein paar Minuten und eine "So ist das Leben"-Beratung später ist der Chef über die unendlich kleine Wahrscheinlichkeit unterrichtet, das Chaos ohne einen spürbaren Ausfall beseitigen zu können.

"Na gut. Also schaffen sie es in der Nachtschicht?"

"Eine Nacht würde es schon dauern, um die Kabel aus den Maschinen herauszuziehen – wenn wir einen Rasenmäher und eine Axt benutzen würden. Nebenbei, wir können ohnehin nur raten, was hier womit verbunden ist."

"Was schlagen sie vor?"

"Jemand muß herkommen und sich darum kümmern."

"Jemand?"

"Jemanden, der sich mit Netzwerktechnologie auskennt …"

Der PJ blickt sich heimlich nach einem Ausweg um.

"… und etwas jünger und beweglicher ist als ich …"

Der PJ beginnt zu schwitzen …

"… jemanden, der für ein paar Tage verschwinden kann ohne daß jemand es bemerkt und sich Sorgen macht!"

"EIN SPEZIALIST!" rufen der PJ und der Chef gemeinsam, beide froh darüber, daß die genannten Kriterien auf sie nicht exakt zutreffen …

"Ja, und wer wäre besser geeignet, als jemand, der die Verkabelung aus erster Hand KENNT, jemand, der sie möglicherweise SELBST verlegt hat", rufe ich, als ich einen Werbeaufkleber auf der Rückseite der Tür ertaste.

"DER ORIGINAL-SPEZIALIST!" leuchtet eine Glühbirne über dem Kopf des Chefs auf.

BINGO!

… AM NÄCHSTEN TAG …

Es sind ein paar Stunden vergangen, seitdem der Kabel-Spezialist gekommen ist - natürlich hat er sich abwertend zum Chef über die ´heutigen IT-Ahnungslosen´ ausgelassen, als er annahm, wir könnten ihn nicht mehr hören. Nachdem er einen enorm hohen Stundensatz ausgehandelt und den Vertrag unterschrieben hatte, ging er schließlich tatsächlich an die Arbeit.

"Der arme Hund", murmelt der PJ leise und schüttelt nachdenklich den Kopf, womit er einmal mehr beweist, daß er keine Abneigung gegenüber Leuten empfindet, die seinen guten Namen verunglimpfen.

"Aber nicht arm genug, um den Keil nicht trotzdem unter die Tür zu schieben, als er den Raum betreten hatte …"

"Ich war besorgt wegen … hm … hm … möglicher Schwierigkeiten mit dem Kühler im Lüftungsschacht über dem Raum." improvisiert er.

"Wir HABEN keine Kühlaggregate in dem Lüftungsschacht …"

"Oh. Na gut."

Schließlich öffnen wir die Tür, nachdem es Beschwerden über den "Ausfall des Internets" bekamen, und stellen fest, daß die arme Sau ziemlich verwirrt zu sein scheint.

"Welcher Hund von ihnen beiden hat das Licht abgeschaltet?" schreit er uns etwas hysterisch an.

"Sind sie sicher, daß das kein Ausfall der Sicherung war - das passiert hier ständig!" schlägt der PJ hilfsbereit vor. "Vielleicht haben sie ja minderwertige Kabel verlegt …"

"Natürlich! Und es ist auch REINER ZUFALL, daß der Türgriff an der Innenseite der Tür fehlt UND eine Kiste mit Verbindungsstücken GANZ ZUFÄLLIG durch den Lüftungsschacht herabstürzte."

"Da sind sie also gelandet!" antwortet der PJ. "Ich habe sie wirklich überall gesucht! Natürlich war es dunkel, im Lüftungsschacht gibt es kein Licht, so daß ich sie möglicherweise durch einen Spalt gestoßen haben könnte …"

"… dann stürzte ich über die Abdeckung des Bodenventilators, die nicht korrekt gesichert war!" jammert unser Spezialist weiter.

"Und mein Gott, sie haben eine kleine Unordnung produziert!"

"Es herrschte schon Unordnung, als ich begann!"

"Ja, aber das war eine FUNKTIONIERENDE Unordnung. Deshalb stehen ja auch umfangreiche Haftungsklauseln in den Standardverträgen unserer Firma - um in einer solchen Situation für die entgangenen Gewinne entschädigt zu werden. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was sie dafür zahlen müssen!"

"Aber das hat doch alles nichts mit mir zu tun!"

"Die Kabel haben sich von selbst aus den Steckdosen und dem Switch gezogen?"

"J-Nein, aber das war nicht mein Fehler!"

"Natürlich nicht. Sie waren es ja auch nicht, der all die Kabel ursprünglich verlegt hat, eine Unsumme dafür verlangt hat, indem er die längstmöglichen Kabelstücke benutzt hat, die die Technologie zuläßt. Sie waren es natürlich auch nicht, der ihre damalige Arbeit nicht dokumentiert hat, keines der Geräte beschriftet und keinen Ersatz bereitgestellt UND sich nicht an die elektrischen Vorgaben gehalten hat. Ich bin ganz sicher, daß das Gericht in ihrem Sinne entscheiden wird."

"GERICHT?!"

"Nun, diese Angelegenheiten landen immer vor Gericht, wenn es zu Ausfällen in diesem Ausmaß gekommen ist. Und die Neuverkabelung wird sie noch weitere Tage kosten, was weitere Ausfälle bedeu …"

"Was soll ich nur tun?"

"Nun, ich vermute, daß sie ein paar Leute anheuern sollten, die über intime Kenntnisse der Netzwerkstruktur verfügen und ihnen helfen könnten. Allerdings wird das so kurzfristig sicher nicht billig …"

"Ich werde zahlen!!!"

"Nun, ich glaube, dann könnten wir ihnen aushelfen. Natürlich brauchen wir jemanden, der die Glasfaserkabel in der gesamten Etage neu verlegt …"

Und so kommt es, daß er uns seine helfende Hand reicht. Und kaum hat er den Scheck über eine größere Summe unterzeichnet, erklären wir, daß es sich um einen angekündigten Ausfall für Wartungsarbeiten gehandelt hat, damit er die Glasfaserkabel im Kellergeschoß verlegen kann.

Und während der PJ die Sicherung im Keller gegen eine mit Wackelkontakt austauscht, staple ich ein paar Kisten mit Terminatoren im Lüftungsschacht.

Es funktioniert alles wie ein Uhrwerk …

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