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Archiv für April, 2010

Ostzonenjournalismus

15. April 2010 tw_24 Keine Kommentare

Sind Bewohner der Zone wegen ihrer Sozialisation in der DDR eine Ethnie? Wer den “Heimatsender” MDR sich längere Zeit antut, muß zumindest zu dem Schluß kommen, daß Zoneninsassen doch manchmal recht seltsam sind. Doch reicht das, sie zum Volksstamm zu erklären, als dessen Angehörige sie deann auch im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) diskriminiert werden könnten aber eben nicht sollten? Ist born in the GDR also eine ethnische Herkunft?

Die Frage bewegt das Stuttgarter Arbeitsgericht und daneben natürlich die “Heimatpresse”. Für die in Chemnitz erscheinende Freie Presse, Nachfolgeblatt der SED-Zeitung Freie Presse, leidet Eva Prase gar fürchterbar und zählt auf, was zu einer echten Ossi-Vergangenheit zwar gehört, aber leider wohl besser verschwiegen werden sollte, um Benachteiligungen zu vermeiden:

“Wegzulassen ist unbedingt auch die Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Sport und Technik. Das war die paramilitärische Jugendorganisation, die zur Militarisierung der Gesellschaft der DDR beitrug. Richtig. So steht es bei Wikipedia. Dass viele Mitglied wurden, weil sie da nahezu kostenlos die Fahrschulprüfung ablegen konnten, steht nirgendwo.”

Können vermutlich ostdeutsche Zeilenschinderinnen richtig recherchieren? Schauen wir mal nach, was die erwähnte Wikipedia zur Gesellschaft für Sport und Technik weiß:

“Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war eine paramilitärische Jugendorganisation in der DDR.”

Und nun schauen wir mal, ob in der gleichen Wikipedia erwähnt wird, was “nirgendwo” steht:

“Es bestand für Jugendliche durch eine Mitgliedschaft in der GST die Möglichkeit relativ problemlos und kostengünstig einen Führerschein für LKW, PKW, Motorrad oder Moped zu erlangen.”

Das steht so mindestens seit dem 30. Oktober 2009 im Wikipedia-Eintrag.

Diskriminieren wir nun Zonenbewohner, werfen wir der mutmaßlich ostdeutschen Eva Prase vor, es hätte etwas mit ihrer Herkunft zu tun, daß sie offenkundig zu dumm ist, Wikipedia zu lesen, und deshalb lügt?

Medienkompetenz

11. April 2010 tw_24 1 Kommentar

In dieser Woche erregte ein Video die deutschen Medien, das, so exemplarisch die Frankfurter Rundschau, einen “brutalen US-Angriff auf Journalisten” zeigt. “In Bagdad schießen US-Soldaten nicht auf Aufständische, sondern auf Journalisten und Kinder”, schließt das hessische Tagesblatt jeden Irrtum aus und unterstellt Vorsatz; das Naziblatt junge welt assistiert und freut sich über einen “gefilmten Massenmord”.

So dumm wie die angeblichen “Mörder”, die sich offenbar nicht vom Wissen beeindrucken ließen, daß jedes ihrer Worte und das Geschehen am Boden aufgezeichnet werden würde, so überfordert zeigt sich die deutsche Journaille von dem Bild- und Tonmaterial, das vom US-Militär als “authentisch” bezeichnet wird, das darüber hinaus aber von korrektem Verhalten der beteiligten Soldaten spricht.

Für die staatliche Deutsche Welle schreibt Ina Rottscheidt etwas, das sie zu einem Roman ausbauen könnte:

“Wenn die Männer wüssten, was ihnen droht, würden sie ihre Kameras wegwerfen und davonrennen. So aber gehen sie mit zügigen Schritten ohne Hektik eine Straße in Bagdad entlang. Den US-Kampfhubschrauber hören sie mit Sicherheit, denn er kreist in nicht allzu großer Entfernung über ihren Köpfen. Aber das sind sie gewöhnt. Sie wissen nicht, dass sie ins Fadenkreuz der Soldaten geraten sind.”

Anne Flaherty in Washington ist mindestens ebenso talentiert wie Ina Rottscheidt und beginnt in der nichtstaatlichen Sächsischen Zeitung vom 07. April diese spannende Geschichte zu berichten:

“Wenn die Männer wüssten, was ihnen droht, würden sie ihre Kameras wegwerfen und davonrennen. So aber gehen sie zügig, doch ohne Hektik eine Straße in Bagdad entlang. Den US-Kampfhubschrauber hören sie mit Sicherheit. Aber sie wissen nicht, dass sie ins Fadenkreuz geraten sind.”

Das Morgenmagazin des deutschen Staatsfernsehens hat sich der Bilder selbstverständlich auch angenommen und ließ sich inspirieren zu einer Darstellung, die zu einer vielleicht noch aufregenderen Erzählung gehört:

“Der Hubschrauber, der vermutlich knapp einen Kilometer außer Sicht- und Hörweite kreist, eröffnet das Feuer. Später lachen die Piloten und beglückwünschen sich, verspotten die Opfer.”

Alle drei – oder sind es vielleicht nur zwei? – Medienvertreter sahen die gleichen Aufnahmen – und lassen den gleichen Hubschrauber mal außer Sicht- und Hörweite fliegen und wähnen ihn doch gleichzeitig in Hörweite, “denn er kreist in nicht allzu großer Entfernung über ihren Köpfen”.

Große Einigkeit andererseits herrscht, geht es darum, genau diesen Helikopter-Einsatz zu verurteilen. Dieses Urteil ist zweifellos so zutreffend wie kompetent.

*wuhaa*, oder wir ziehen mal eben schnell um

10. April 2010 Rene Keine Kommentare

Es hätte alles so einfach sein können. Man bestellt sich einen neuen Server, holt sich Plesk auf den Screen und ruppt mal eben alles nacheinander rüber. Hey, das hat auch geklappt, für etwa 99% aller Sachen die da waren. Aber ausgerechnet die ForenNews, die wollten nicht. Über die letzten rund 10 Jahre hat sich aber auch viel Zeuch gesammelt, rund 2GB Gedöhns. Dazu noch ein wenig Zeitmangel, und schon liegt so eine Seite als Webzombie da.

Nun hab ich mich erstmal von vielem Zeug getrennt, was leider zur Folge hat, dass viele Link zu Bildern ausserorts ins Leere laufen. Aber letztlich find ich das auch nicht so tragisch. Die FN laufen wieder, und nur zwei Artikel sind verlustig gegangen, die trag ich dieser Tage noch nach. Hier gehts also weiter. ;-)