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Artikel Tagged ‘ZDF’

Medienkompetenz

11. April 2010 tw_24 1 Kommentar

In dieser Woche erregte ein Video die deutschen Medien, das, so exemplarisch die Frankfurter Rundschau, einen “brutalen US-Angriff auf Journalisten” zeigt. “In Bagdad schießen US-Soldaten nicht auf Aufständische, sondern auf Journalisten und Kinder”, schließt das hessische Tagesblatt jeden Irrtum aus und unterstellt Vorsatz; das Naziblatt junge welt assistiert und freut sich über einen “gefilmten Massenmord”.

So dumm wie die angeblichen “Mörder”, die sich offenbar nicht vom Wissen beeindrucken ließen, daß jedes ihrer Worte und das Geschehen am Boden aufgezeichnet werden würde, so überfordert zeigt sich die deutsche Journaille von dem Bild- und Tonmaterial, das vom US-Militär als “authentisch” bezeichnet wird, das darüber hinaus aber von korrektem Verhalten der beteiligten Soldaten spricht.

Für die staatliche Deutsche Welle schreibt Ina Rottscheidt etwas, das sie zu einem Roman ausbauen könnte:

“Wenn die Männer wüssten, was ihnen droht, würden sie ihre Kameras wegwerfen und davonrennen. So aber gehen sie mit zügigen Schritten ohne Hektik eine Straße in Bagdad entlang. Den US-Kampfhubschrauber hören sie mit Sicherheit, denn er kreist in nicht allzu großer Entfernung über ihren Köpfen. Aber das sind sie gewöhnt. Sie wissen nicht, dass sie ins Fadenkreuz der Soldaten geraten sind.”

Anne Flaherty in Washington ist mindestens ebenso talentiert wie Ina Rottscheidt und beginnt in der nichtstaatlichen Sächsischen Zeitung vom 07. April diese spannende Geschichte zu berichten:

“Wenn die Männer wüssten, was ihnen droht, würden sie ihre Kameras wegwerfen und davonrennen. So aber gehen sie zügig, doch ohne Hektik eine Straße in Bagdad entlang. Den US-Kampfhubschrauber hören sie mit Sicherheit. Aber sie wissen nicht, dass sie ins Fadenkreuz geraten sind.”

Das Morgenmagazin des deutschen Staatsfernsehens hat sich der Bilder selbstverständlich auch angenommen und ließ sich inspirieren zu einer Darstellung, die zu einer vielleicht noch aufregenderen Erzählung gehört:

“Der Hubschrauber, der vermutlich knapp einen Kilometer außer Sicht- und Hörweite kreist, eröffnet das Feuer. Später lachen die Piloten und beglückwünschen sich, verspotten die Opfer.”

Alle drei – oder sind es vielleicht nur zwei? – Medienvertreter sahen die gleichen Aufnahmen – und lassen den gleichen Hubschrauber mal außer Sicht- und Hörweite fliegen und wähnen ihn doch gleichzeitig in Hörweite, “denn er kreist in nicht allzu großer Entfernung über ihren Köpfen”.

Große Einigkeit andererseits herrscht, geht es darum, genau diesen Helikopter-Einsatz zu verurteilen. Dieses Urteil ist zweifellos so zutreffend wie kompetent.

GEZ für alle: Auch Fernsehverweigerer müssen das Staats-TV unterstützen

8. Dezember 2009 tw_24 Keine Kommentare

Deutsche Ministerpräsidenten lieben ihr Staatsfernsehen. Jene, die sie regieren unterdessen, lieben das Staatsfernsehen immer weniger, das böse Internet mit all seinen Angeboten hingegen offenbar immer mehr. Diese Aufmüpfigkeit muß, logisch, bestraft werden, weshalb unter fernsehverliebten Ministerpräsidenten nun Pläne geschmiedet werden, internetfähige Geräte zu verteuern.

“Besitzer von internetfähigen PCs oder Handys sollen künftig höhere GEZ-Gebühren zahlen. Das sehen Pläne der Ministerpräsidenten vor, wie das Online-Magazin ‘Carta’ berichtet. Wer bislang einen internetfähigen PC aber keinen Fernseher hatte, musste monatlich 5,76 Euro zahlen. Demnächst sollen 17,98 Euro fällig werden – also gut das Dreifache.”

Es geht – wohlgemerkt – nicht um Geräte, die etwa vermittels TV-Karte die Programme der zahlreichen deutschen Staatssender empfangen können, sondern eben gerade auch um das Smartphone, mit dem irgendwie auf das Internet zugegriffen werden kann, bei dem aber allein schon der Display-Größe wegen der Genuß eines Spielfilms unmöglich scheint.

“Die neue Regelung soll den Wegfall von Gebühreneinnahmen durch Fernsehabstinenz kompensieren.”

Die staatlichen Fernsehfunker produzieren ein Programm, das sich immer weniger Menschen weder auf dem TV-Empfänger noch auf dem Handy-Display antun wollen, bezahlt werden muß es trotzdem auch bei Nichtkonsum. Und entgehen können soll dieser Strafzahlung nur, wer nachweist, daß er überhaupt kein Empfangsgerät, also auch kein “neuartiges”, bereithält.

Da fabulieren die deutsche und Länder-Regierungen auf einem IT-Gipfel über wunderbare vernetzte Kommuikationswelten, die mit Fernsehen ungefähr so viel zu tun haben wie das ZDF mit Staatsferne oder die tagesthemen mit Nachrichten, während sie, da die vielfältige private Kommunikation ihr Staatsfernsehen überflüssig macht, diese mit monatlich zu entrichtenden zweistelligen Strafgebühren belasten wollen – das ist wahrlich Politik aus einem Guß.

Angesichts solcher Pläne müssen, scheint’s, gerade deutsche Verleger über Micropayment für ihre Artikel gar nicht mehr nachdenken. Wer 18 Euro im Monat zusätzlich berappen muß, weil er auf das Staatsfernsehen verzichtet, nicht aber auf, sagen wir, Twitter, hat bestimmt auch noch etwas Geld übrig für ein paar Archiv-Artikel. Bestimmt? Ganz bestimmt.

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20 Jahre ‘Wende’: Was sich geändert hat

5. November 2009 tw_24 Keine Kommentare

Das deutsche öffentlich-rechtliche Frühstücksfernsehen ist doch besser als sein Ruf. Es kann sogar richtig gute RealSatire. Da präsentiert es etwa, der ‘Mauerfall’ muß ja gefeiert werden, einen Photographen, der, als es die Zone noch gab, Bilder machte, die er offenbar nur erfolgreich im deutschen Westen veröffentlichen durfte, um so wenigstens noch dazu beizutragen, Devisen für das zerfallende Land zu erwirtschaften.

Und dieser Photograph erklärt, daß mit dem ‘Mauerfall’ vor 20 Jahren endlich Reise- und vor allem Gedanken- und Meinungsfreiheit ausgebrochen seien, der diktatorische Staat Geschichte sei.

Im nächsten Beitrag befaßt das Aufsteh-TV dann sich mit Dienstleistern, die versuchen, private Spuren vom letzten Party-Photo (!) bis hin zur politischen Meinungsäußerung (!) aus dem Internet zu tilgen, damit der neugierige Personalverantwortliche des künftigen Chefs nichts zu sehen bekommt, was diesem vielleicht nicht passen könnte. Geraten wird, man solle das Netz doch mit positiven Mitteilungen füttern.

Wenn das nicht Kabarett auf allerhöchstem Niveau schon zu früher Stunde ist …

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Bastion des Schweigens

27. Oktober 2009 tw_24 Keine Kommentare

Während im staatlichten Pay-TV lief, was immer läuft, konstituierte in Berlin sich der am 27. September neu gewählte Bundestag und wählte u.a. den neuen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. In seiner ersten Rede dachte der Wiedergewählte auch an ARD und ZDF:

“Lammert übte gleichzeitg harte Kritik an der Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender. Ihm fehle jedes Verständnis dafür, dass die konstituierende Sitzung des 17. Deutschen Bundestages weder vom ersten noch vom zweiten Programm direkt übertragen werde, sagte er nach seiner Wiederwahl.

Stattdessen liefen an diesem Vormittag in ARD und ZDF Unterhaltungssendungen. Lammert verwies darauf, dass das gebührenpflichtige Fernsehen sein ‘üppiges Privileg’ dem Parlament verdanke.”

Die gebührenfinanzierte tagesschau demonstriert, was sie unter seriösen Nachrichten versteht:

“Lammert nahm die Wahl an. Sie sei eine hohe Auszeichnung und eine große Verpflichtung, sagte er. Er freue sich, dass sein Bemühen anerkannt worden sei, das Amt so überparteilich wie nur eben möglich zu führen. Gleichzeitig bat Lammert um Unterstützung bei den Bemühungen ‘für eine weitere Verbesserung der parlamentarische Arbeit’.”

Haben die heute-”Nachrichten” gehört, was Norbert Lammert den Applaus des gesamten Bundestags einbrachte?

“Norbert Lammer ist der neue alte Bundestagspräsident. Bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages wählten die Abgeordneten den CDU-Politiker mit großer Mehrheit. [..]

Der 60-jährige Lammert übt das Amt bereits seit 2005 aus. Protokollarisch übt er nach dem Bundespräsidenten das zweithöchste Staatsamt aus – vor der Kanzlerin und dem Bundesratspräsidenten. In seiner Antritts rede sprach er den Abgeordneten ins Gewissen: ‘Wir sind nur gewählt, nicht gesalbt.’”

Gut, daß es ARD und ZDF gibt: “Die Gesellschaft braucht einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk als unabhängige publizistische Bastion in der Medienlandschaft.”

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“Verschwundene” Umfrage: Demokratiedefizite beim ZDF?

8. Juli 2009 tw_24 Keine Kommentare

Die beim öffentlich-rechtlichen Sender ZDF beheimatete Redaktion der heute-”Nachrichten” kam zum Monatsanfang auf die Idee, vermittels einer Online-Umfrage herauszufinden, ob denn die von den deutschen Regierungsparteien CDU und SPD jüngst eingeführten Netzsperren als ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Kinderpornographie angesehen werden. Das Interesse des Bezahlsenders an der eigenen Frage ließ aber offenbar sehr schnell nach und die Umfrage verschwand kommentarlos.

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